Gründerfamilien · Nr. 02

Familie Boehringer

Eines der letzten großen komplett familiengeführten Pharmaunternehmen der Welt — bewusst nicht börsennotiert, um langfristig forschen zu können. Neben Humanpharmazie (u. a. Blutverdünner Pradaxa) starke Position in Tiergesundheit. Rund 200 Familienmitglieder halten die Anteile.

Von der Weinchemie zum Pharmariesen in Ingelheim

Die Erfolgsgeschichte der Familie begann im Jahr 1885, als Albert Boehringer eine kleine Weinsteinfabrik in Ingelheim am Rhein erwarb. Durch die innovative Nutzung von Bakterienkulturen zur Milchsäureherstellung legte er den Grundstein für die heutige Ausrichtung auf biotechnologische Verfahren. Seit über 135 Jahren bildet dieser Standort in Rheinhessen das unangefochtene Zentrum des global agierenden Konzerns.

Unabhängigkeit durch die Holdingstruktur der C.H. Boehringer Sohn

Das Unternehmen wird heute über die Unternehmensleitung der C.H. Boehringer Sohn AG & Co. KG gesteuert, wobei der Gesellschafterausschuss fest in der Hand der Familie liegt. Ein entscheidendes Merkmal ist der bewusste Verzicht auf einen Börsengang, um die Forschungszyklen, die in der Pharma branche oft Jahrzehnte dauern, ohne den kurzfristigen Renditedruck der Kapitalmärkte finanzieren zu können. Rund 200 Familienmitglieder sind als Anteilseigner in diesem geschlossenen Kreis organisiert.

Starke Säulen in Humanpharmazie und Tiergesundheit

Boehringer Ingelheim hat sich eine weltweit führende Position bei Medikamenten wie dem Blutverdünner Pradaxa oder dem Diabetes-Mittel Jardiance erarbeitet. Ein zweites massives Standbein ist die Tiergesundheit, die durch die Übernahme von Merial im Tausch gegen das Konsumgütergeschäft mit Sanofi massiv ausgebaut wurde. Diese strategische Fokussierung macht die Familie zu einem der bedeutendsten Akteure in der globalen Veterinärmedizin.

Kontinuität unter der Leitung von Christian Boehringer

Die Repräsentation der Familie gegenüber der operativen Leitung wird maßgeblich durch Christian Boehringer geprägt, der dem Gesellschafterausschuss vorsitzt. Er verkörpert die vierte Generation und achtet strikt darauf, dass die Gewinne größtenteils im Unternehmen verbleiben, um die hohen Forschungsquoten zu sichern. Das Vermögen der Familie, das auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt wird, ist fast vollständig im operativen Betriebsvermögen gebunden.