Der Bruderstreit zwischen Adi und Rudolf Dassler teilte 1948 nicht nur einen Betrieb, sondern eine ganze Stadt in zwei Lager. Die Familie hat heute keinen operativen Einfluss mehr — bei Puma ist die französische Artémis-Holding von François Pinault Großaktionär.
Der Riss durch die Gebrüder Dassler Schuhfabrik
Die Geschichte der Dasslers begann in der oberfränkischen Stadt Herzogenaurach, wo die Brüder Adolf und Rudolf Dassler ab den 1920er-Jahren gemeinsam Sportschuhe produzierten. Ein tiefgreifendes privates wie geschäftliches Zerwürfnis führte im Jahr 1948 zur Spaltung des Stammhauses und zur Gründung der konkurrierenden Marken Adidas und Puma. Dieser Konflikt prägte über Jahrzehnte nicht nur die weltweite Sportartikelindustrie, sondern teilte auch die lokale Stadtbevölkerung sowie die Belegschaften in zwei unversöhnliche Lager.
Dominanz von Adi Dassler und Horst Dasslers Erbe
Adolf „Adi“ Dassler fokussierte sich bei Adidas auf technische Innovationen wie die Schraubstollen, die 1954 zum „Wunder von Bern“ beitrugen. Nach seinem Tod 1978 übernahm sein Sohn Horst Dassler die Führung und baute das Unternehmen durch geschicktes Sportmarketing und die Gründung der Vermarktungsagentur ISL zu einem globalen Imperium aus. Sein früher Tod im Jahr 1987 markierte das Ende der Ära, in der die Familie das operative Geschäft maßgeblich gestaltete, da seine Schwestern die Anteile Anfang der 1990er-Jahre verkauften.
Rudolf Dasslers Puma und der Einstieg der Familie Pinault
Auf der anderen Flussseite der Aurach etablierte Rudolf Dassler Puma als aggressiven Herausforderer, blieb jedoch im Schatten des größeren Bruders. Nachdem die Söhne Armin und Gerd Dassler das Unternehmen 1986 an die Börse brachten, verloren sie kurze Zeit später die Kontrolle. Heute befindet sich Puma mehrheitlich im Einflussbereich der französischen Holding Artémis des Luxusgüter-Milliardärs François Pinault, die ihre Beteiligung nach einer zwischenzeitlichen Reduzierung wieder als Ankeraktionär festigte.
Heutige Strukturen und das Erbe in Herzogenaurach
Beide Konzerne werden heute als Aktiengesellschaften im DAX bzw. MDAX geführt und verfügen über keine direkten Familiengesellschafter aus dem Hause Dassler mehr in den operativen Vorständen oder Aufsichtsräten. Das geschätzte Privatvermögen der weit verzweigten Nachfahren wird heute auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag bis zu einer Milliarde Euro taxiert, wobei Kapitalbeteiligungen und Immobilien im Vordergrund stehen. Herzogenaurach bleibt dennoch der Stammsitz beider Weltkonzerne, was die anhaltende lokale Verwurzelung der Dassler-Historie unterstreicht.