Adoptivtochter Else Kröner baute das aus einer Apotheker-Werkstatt hervorgegangene Unternehmen zum Weltmarktführer für Dialyse aus. Nach ihrem Tod 1988 überführte sie den Konzern in eine gemeinnützige Stiftung — die Else Kröner-Fresenius-Stiftung hält bis heute die Mehrheit.
Von der Hirsch-Apotheke zum globalen Gesundheitskonzern
Die Erfolgsgeschichte der Familie Fresenius nahm ihren Anfang in der Frankfurter Hirsch-Apotheke, die seit dem 18. Jahrhundert von namhaften Pharmazeuten geführt wurde. Eduard Fresenius legte 1912 den Grundstein für den heutigen Industriegiganten, indem er die Apotheken-Produktion in ein eigenes Laboratorium überführte. In Bad Homburg vor der Höhe konzentrierte er sich früh auf die Herstellung von Spezialitäten wie Injektionslösungen und die bekannte Salbe Brom-Nervacit.
Else Kröner und der Aufstieg zum Dialyse-Weltmarktführer
Nach dem Tod von Eduard Fresenius im Jahr 1946 übernahm seine Adoptivtochter Else Kröner, eine gelernte Apothekerin, die Leitung des damals kleinen Betriebs mit nur etwa 30 Angestellten. Unter ihrer Führung erlebte das Unternehmen einen beispiellosen Expansionskurs, der durch die Entwicklung der ersten künstlichen Niere und den Einstieg in die Dialysetechnik geprägt war. 1982 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei Kröner die strategischen Weichen für den Aufstieg zum global führenden Anbieter von Dialyseprodukten stellte.
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung als Ankeraktionärin
Else Kröner verstarb im Jahr 1988 kinderlos und verfügte testamentarisch die Überführung ihres Vermögens in die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS). Diese Holdingstruktur sichert bis heute die Unabhängigkeit der Fresenius SE & Co. KGaA, da die Stiftung als größte Einzelaktionärin die Kontrolle über das Unternehmen behält. Die Dividenden fließen in medizinische Forschungsprojekte sowie humanitäre Hilfe, wodurch das unternehmerische Erbe der Gründerfamilie dauerhaft institutionalisiert wurde.
Portfoliostruktur der Fresenius SE in Bad Homburg
Das heutige Konglomerat mit Sitz in Bad Homburg erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro und gliedert sich nach tiefgreifenden Umstrukturierungen in die Kernbereiche Fresenius Kabi und Fresenius Helios. Während Kabi auf klinische Ernährung und Generika spezialisiert ist, betreibt Helios mit zahlreichen Kliniken das größte private Krankenhausnetzwerk in Deutschland. Die ehemalige Tochter Fresenius Medical Care wird aufgrund strategischer Neuausrichtungen mittlerweile nur noch als reine Finanzbeteiligung geführt.
Finanzielle Schlagkraft und stiftungsorientiertes Vermögen
Da die EKFS die Mehrheit der Stimmrechte hält, wird das Vermögen der „Familie“ Fresenius heute faktisch mit dem Stiftungskapital gleichgesetzt, welches im mittleren einstelligen Milliardenbereich taxiert wird. Die Konstruktion der Kommanditgesellschaft auf Aktien ermöglicht es der Stiftung, trotz Kapitalmarktöffnung den prägenden Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats zu wahren. Damit bleibt der Geist der Apothekerfamilie Fresenius auch Jahrzehnte nach dem Tod der letzten direkten Erbin das stabilisierende Element des DAX-Konzerns.