Gründerfamilien · Nr. 07

Familie Haniel

Über 700 Familienmitglieder halten Anteile an der Franz Haniel & Cie. — der Konzern ist Beteiligungs-Holding mit Anteilen an TAKKT, CWS und ELG. Eine der ältesten deutschen Familienunternehmen überhaupt.

Vom Ruhrorter Packhaus zum globalen Mischkonzern

Die Wurzeln der Dynastie reichen bis ins Jahr 1756 zurück, als der Gründer Friedrich Haniel ein Packhaus am Duisburger Hafen übernahm. Seine Frau Aletta Haniel steuerte das Unternehmen nach seinem Tod geschickt durch die napoleonische Zeit und legte den Grundstein für die industrielle Expansion in den Kohle- und Eisenhandel. Im 19. Jahrhundert trieb ihr Sohn Franz Haniel den Ausbau massiv voran und stieg tief in den Bergbau sowie die Eisenhüttenindustrie im Ruhrgebiet ein.

Die Enkelfähigkeit als Leitbild der Holding

Die Franz Haniel & Cie. GmbH fungiert heute als operative Beteiligungsholding mit Sitz in Duisburg-Ruhrort, die sich vollständig im Besitz der über 700 Familienmitglieder befindet. Unter der Führung von Aufsichtsratschef Franz M. Haniel wurde die Strategie konsequent auf Nachhaltigkeit und die sogenannte Enkelfähigkeit ausgerichtet. Das Portfolio umfasst Mehrheitsbeteiligungen an spezialisierten Dienstleistern wie dem Hygiene-Experten CWS und dem Versandhändler Takkt.

Portfolioumbau und strategische Desinvestitionen

In den vergangenen Jahrzehnten trennte sich die Familie von traditionsreichen, aber kapitalintensiven Säulen wie dem Pharmagroßhändler Celesio oder dem Stahlrecycler ELG Haniel. Gleichzeitig hielt der Konzern über lange Zeit signifikante Anteile am Handelsriesen Metro AG, die jedoch im Zuge einer Neuausrichtung sukzessive reduziert wurden. Diese Umschichtung ermöglichte Investitionen in moderne Segmente wie Kreislaufwirtschaft und ressourceneffiziente Technologien.

Milliardenschweres Erbe und moderne Governance

Das Gesamtvermögen der weit verzweigten Familie wird von Experten stabil auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, womit die Haniels regelmäßig Spitzenplätze in den Rankings der reichsten Deutschen belegen. Um den Zusammenhalt der riesigen Erbengemeinschaft zu gewährleisten, setzt das Unternehmen auf eine strikte Governance, die interne Weiterbildungsprogramme für junge Familienmitglieder umfasst. Damit wird verhindert, dass die Zersplitterung der Anteile nach über 250 Jahren Firmengeschichte die Stabilität des Konzerns gefährdet.