Gründerfamilien · Nr. 36

Familie Liebherr

Bau- und Kühlgerätekonzern in Familienhand. Nach Erbteilungen mehrere Zweige, aber gemeinsame Kontrolle.

Vom mobilen Turmdrehkran zum Weltkonzern aus Kirchdorf

Die Erfolgsgeschichte der Familie Liebherr begann im Jahr 1949, als Hans Liebherr im schwäbischen Kirchdorf an der Iller den ersten mobilen Turmdrehkran entwickelte. Aus diesem Pioniergeist entstand ein breit aufgestelltes Imperium, das heute von Erdbewegungsmaschinen über Haushaltsgeräte bis hin zur Luftfahrttechnik reicht. Trotz der globalen Expansion blieb die Gruppe stets ein reines Familienunternehmen ohne Börsennotierung.

Strukturwandel der Holding und Sitz in Bulle

In den 1980er Jahren verlagerte Hans Liebherr die zentrale Leitung der Gruppe in die Schweiz, wo die Liebherr-International AG in Bulle bis heute als Dachgesellschaft fungiert. Diese Holdingstruktur steuert die weltweit über 150 Gesellschaften, die in elf eigenständige Produktsegmente unterteilt sind. Die operative Führung ist dezentral organisiert, während die strategische Kontrolle fest in den Händen der Gesellschafter liegt.

Stabilität durch die zweite und dritte Generation

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1993 übernahmen die Geschwister Willi und Isolde Liebherr die Leitung und bauten das Geschäft massiv aus. Mittlerweile sind mit Jan Liebherr, Stéfanie Wohlfarth, Sophie Albrecht und Patricia Rüf Vertreter der dritten Generation in die Führung eingetreten. Diese personelle Kontinuität sichert die langfristige Ausrichtung des Konzerns, der traditionell eine sehr hohe Eigenkapitalquote aufweist.

Milliardenerbe und partnerschaftliche Kontrolle

Das Gesamtvermögen der Familie wird regelmäßig auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, wobei die Anteile auf verschiedene Familienstämme verteilt sind. Trotz der Aufteilung der Verantwortung auf die Geschwister und deren Kinder wird die Liebherr-Gruppe als geschlossene Einheit geführt, um die Unabhängigkeit von externen Kapitalgebern zu wahren. Die Firmengruppe erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von über 12 Milliarden Euro.