Gründerfamilien · Nr. 11

Familie Merck

Das älteste pharmazeutisch-chemische Familienunternehmen der Welt — seit 356 Jahren durchgehend im Familienbesitz (rund 200 Nachkommen halten heute ca. 70 %). Nicht zu verwechseln mit dem US-Merck (in den USA MSD/Merck & Co.).

Vom Darmstädter Apotheker zum globalen Wissenschaftskonzern

Die Geschichte der Familie Merck beginnt im Jahr 1668, als Friedrich Jacob Merck das Privileg für die Engel-Apotheke in Darmstadt erwarb. Unter Heinrich Emanuel Merck transformierte sich das Haus im 19. Jahrhundert entscheidend, indem er begann, pflanzliche Wirkstoffe wie Morphin in industriellem Maßstab und hoher Reinheit zu isolieren. Heute operiert der Konzern Merck KGaA in den drei Zukunftsfeldern Life Science, Healthcare und Electronics und ist fester Bestandteil des DAX.

Die E. Merck KG als zentrales Steuerungselement

Die Merck-Familie hält heute etwa 70,3 % des Kapitals der Merck KGaA über die Holding E. Merck KG, während die übrigen Anteile im Streubesitz über Kommanditaktionäre an der Börse verteilt sind. Diese spezifische Rechtsform erlaubt es der Familie, trotz des Börsengangs im Jahr 1995 die strategische Kontrolle über die langfristige Ausrichtung des Unternehmens zu behalten. Rund 200 Familienmitglieder bilden die Gemeinschaft der Gesellschafter, wobei die Anteile privat gehalten werden und nicht frei handelbar sind.

Trennung vom US-amerikanischen Namensvetter

Ein historisch signifikanter Einschnitt war die Enteignung der US-Tochtergesellschaft durch die US-Regierung im Zuge des Ersten Weltkriegs. Daraus entstand das eigenständige Unternehmen Merck & Co. (international als MSD bekannt), zu dem heute keine gesellschaftsrechtliche Verbindung mehr besteht. Die Darmstädter Familie hält die Rechte am Namen Merck weltweit, außer in Nordamerika, wo sie unter dem Markennamen EMD agieren muss.

Vermögensverwaltung und Generationenwechsel

Das Gesamtvermögen der Familie wird regelmäßig auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, was sie zu einer der wohlhabendsten Dynastien Deutschlands macht. Ein Familienrat, dem aktuell etwa Johannes Baillou als Vorsitzender des Kuratoriums vorsteht, sichert die Interessen der Nachkommen gegenüber der operativen Geschäftsführung. Die Auswahl kompetenter Familienvertreter und der Ausschluss operativer Tätigkeit einzelner Familienmitglieder direkt im Konzernvorstand ist ein Kernmerkmal ihrer Corporate Governance.