1891 mischte Apotheker August Oetker sein Backpulver „Backin” in Bielefeld an — heute ist die Oetker-Gruppe ein Mischkonzern mit Nahrung, Bier (Radeberger, Jever, Binding), Sekt (Henkell) und lange auch der Reederei Hamburg Süd. 2021/22 zwischen Halbgeschwistern aufgeteilt.
Vom Backin-Pulver aus der Bielefelder Apotheke zum Weltkonzern
Die Erfolgsgeschichte begann 1891, als der Apotheker Dr. August Oetker in seiner Bielefelder Backstube das Backpulver „Backin“ perfektionierte und in versandfähige Tütchen portionierte. Sein Enkel Rudolf-August Oetker formte das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem breit aufgestellten Konglomerat, das weit über die Backartikel hinausreichte. Heute wird das Gesamtvermögen der weitverzweigten Familie auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Wurzeln des Imperiums weiterhin fest in der ostwestfälischen Wirtschaft verankert sind.
Diversifizierung in Brauereien und die Sektkellerei Henkell
Unter der Führung von Rudolf-August Oetker expandierte die Gruppe massiv in den Getränkesektor und erwarb prominente Marken wie Radeberger, Jever und Binding, die heute in der Radeberger Gruppe gebündelt sind. Parallel dazu entwickelte sich der Bereich Schaumwein durch den Zukauf von Henkell und die Fusion mit dem spanischen Branchenriesen Freixenet zu einem weltweit führenden Anbieter. Lange Zeit stellte zudem die Reederei Hamburg Süd eine tragende Säule dar, bevor diese im Jahr 2017 an Maersk veräußert wurde.
Die Realteilung zwischen den Stämmen der Nachfolgegeneration
Nach langjährigen internen Differenzen über die strategische Ausrichtung einigten sich die acht Kinder von Rudolf-August Oetker Ende 2021 auf eine historische Realteilung der Gruppe. Die Kinder aus der ersten und zweiten Ehe, darunter Richard, Christina und Alfred Oetker, behielten den Kernbereich unter dem Dach der Dr. August Oetker KG mit Marken wie Dr. Oetker und Radeberger. Im Gegenzug spalteten sich die jüngeren Geschwister Alfred, Ferdinand und Julia Oetker mit der Geschwister Oetker Beteiligungen KG ab, zu der unter anderem Henkell Freixenet und das Bankhaus Lampe gehörten.
Strategische Neuausrichtung in Bielefeld und Wiesbaden
Der klassische Konzern mit Hauptsitz in Bielefeld fokussiert sich nun verstärkt auf die Digitalisierung des Lebensmittelgeschäfts und Lieferdienste wie Flaschenpost. Währenddessen steuert die neu entstandene Holding der Geschwister Oetker ihre Beteiligungen autark und setzt auf Wachstum in Nischenmärkten sowie im Bereich der Luxushotellerie. Trotz der institutionellen Trennung bleibt die Marke Oetker für beide Familienstämme das prägende Identitätsmerkmal und ein Symbol deutscher Industriegeschichte.