Als Familienname steht Quandt für Kontinuität an der Spitze der deutschen Vermögenspyramide. Die dunkle Seite: Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit im „Dritten Reich”, historisch aufgearbeitet erst 2007 durch die Familienstudie von Joachim Scholtyseck.
Vom Textilimperium zur industriellen Großmacht
Die industrielle Wurzel der Familie Quandt liegt im brandenburgischen Pritzwalk, wo Emil Quandt ab 1883 eine Tuchfabrik zum Erfolg führte. Dessen Sohn Günther Quandt weitete das Portfolio massiv aus und legte durch Zukäufe wie die Accumulatoren-Fabrik AG (AFA, heute Varta) sowie Beteiligungen in der Metallindustrie den Grundstein für das heutige Milliardenvermögen. In der Ära des Nationalsozialismus profitierte das Firmengeflecht als Rüstungsproduzent erheblich von Staatsaufträgen und dem massiven Einsatz von Zwangsarbeit.
Die Rettung von BMW durch Herbert Quandt
Im Jahr 1959 markierte Herbert Quandt den entscheidenden Wendepunkt der Familiengeschichte, als er gegen den Rat seiner Banken die Übernahme von BMW durch Daimler-Benz verhinderte und stattdessen sein Kapital erhöhte. Durch die Einführung der 'Neuen Klasse' in den 1960er Jahren transformierte er den fast insolventen Münchner Autobauer in einen weltweit führenden Premiumhersteller. Heute halten seine Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten über eine Holdingstruktur wesentliche Stimmrechtsanteile an der BMW AG.
Strukturierte Vermögensverwaltung und Altana
Neben dem Standbein in der Automobilindustrie prägte die Abspaltung der Chemie- und Pharmasparte Altana das Portfolio, die heute vollständig im Besitz von Susanne Klatten steht. Die Familie steuert ihre Beteiligungen vom Stammsitz in Bad Homburg vor der Höhe aus, wobei die BMW-Anteile größtenteils über die Holdinggesellschaften AQTON und Skion gebündelt werden. Das Gesamtvermögen der Geschwister wird laut Wirtschaftsmagazinen regelmäßig auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt, was sie zu den wohlhabendsten Deutschen macht.
Aufarbeitung und die Erben der vierten Generation
Nach langem Schweigen gab die Familie 2007 die Studie des Historikers Joachim Scholtyseck in Auftrag, um die Verstrickungen der Gründer während der NS-Zeit wissenschaftlich zu belegen. Inzwischen ist mit der nächsten Generation, darunter Kinder von Susanne Klatten, die Nachfolge in den Gremien und Stiftungen der Familie eingeleitet. Die strategische Ausrichtung konzentriert sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und technologische Innovationen jenseits des klassischen Verbrennungsmotors.