Gründerfamilien · Nr. 20

Familie Schickedanz

Gustav Schickedanz gründete 1927 das Versandhaus Quelle — das später mit Neckermann und Otto die deutsche Versandhauslandschaft prägte. Nach Übernahme durch Karstadt und Fusion zur Arcandor AG ging Quelle 2009 spektakulär pleite. Madeleine Schickedanz verlor rund 1 Mrd. Euro.

Vom Fürther Kurzwarenhandel zum Quelle-Imperium

Die Geschichte der Familie Schickedanz begann 1927 in Fürth, als Gustav Schickedanz das Versandhaus Quelle gründete und damit den deutschen Einzelhandel revolutionierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er das Unternehmen konsequent aus und integrierte die eigene Produktion sowie Finanzdienstleistungen wie die Noris Bank in das Konzerngeflecht. Das einstige Symbol des Wirtschaftswunders versorgte Millionen deutsche Haushalte über den ikonischen Katalog mit Textilien, Haushaltswaren und Technik.

Grete Schickedanz und der Aufstieg zum Weltkonzern

Nach dem Tod von Gustav Schickedanz im Jahr 1977 übernahm seine zweite Ehefrau, Grete Schickedanz, die Führung der Unternehmensgruppe. Unter ihrer Ägide expandierte Quelle massiv ins Ausland und festigte die Position als größtes Versandhaus Europas, während die Erbin Madeleine Schickedanz sukzessive in die Gesellschafterrollen hineinwuchs. Die Holdingstruktur bündelte zu Spitzenzeiten nicht nur den Versandhandel, sondern auch umfangreiche Immobilienwerte und Beteiligungen an Warenhausketten.

Die folgenschwere Fusion und das Arcandor-Debakel

Ein entscheidender Wendepunkt war die Fusion von Quelle mit dem Konkurrenten Karstadt im Jahr 1999, woraus das Unternehmen KarstadtQuelle und später die Arcandor AG hervorging. Madeleine Schickedanz hielt zeitweise über 26 Prozent der Anteile an diesem Konstrukt, das unter dem Einfluss des Managers Thomas Middelhoff durch riskante Sale-and-Lease-Back-Geschäfte und hohe Schulden unter Druck geriet. Die Fehlentscheidungen auf Managementebene führten schließlich dazu, dass das einstige Familienvermögen in der Unternehmenskrise und durch Bankbürgschaften massiv schrumpfte.

Insolvenz 2009 und das Ende einer Wirtschaftsdynastie

Im Jahr 2009 mündete die Krise der Arcandor AG in eine spektakuläre Insolvenz, die das endgültige Aus für die Kernmarke Quelle bedeutete. Madeleine Schickedanz verlor durch den Zusammenbruch des Konzerns einen Großteil ihres auf rund eine Milliarde Euro geschätzten Privatvermögens, was den faktischen Niedergang der Familie als prägende Wirtschaftsmacht markierte. Heute existiert das einst mächtige Imperium aus Fürth nur noch in Form von Markenrechten, die von anderen Handelsgruppen wie Otto übernommen wurden.