Gründerfamilien · Nr. 25

Familie Zeiss (Stiftung)

Der Sozialreformer Ernst Abbe überführte Zeiss bereits 1889 in eine Stiftung — Modell für viele spätere deutsche Stiftungskonzerne (Bosch, Fresenius, Bertelsmann). Familie Zeiss hat heute keinen Einfluss mehr.

Das Erbe von Carl Zeiss und die Vision Ernst Abbes

Die Geschichte der Familie Zeiss ist untrennbar mit dem Mechaniker Carl Zeiss verbunden, der 1846 in Jena seine Werkstätte für Feinmechanik und Optik eröffnete. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1888 traf dessen Geschäftspartner Ernst Abbe eine radikale Entscheidung für die Nachfolgeplanung. Er überführte die Geschäftsanteile 1889 in die Carl-Zeiss-Stiftung, um das Lebenswerk vor Zersplitterung zu schützen und die wissenschaftliche Arbeit dauerhaft zu finanzieren.

Stiftungsmodell als Vorreiter für Bosch und Bertelsmann

Mit der Satzung von 1896 schuf Abbe ein rechtliches Novum, das die Familie Zeiss vollständig aus der unternehmerischen Verantwortung und dem Profitbezug entmachtete. Dieses Modell der Eigentumsstiftung diente später als Blaupause für namhafte deutsche Konzerne wie Robert Bosch oder die Bertelsmann Stiftung. Heute ist die Carl-Zeiss-Stiftung die alleinige Aktionärin der Carl Zeiss AG in Oberkochen sowie der Schott AG in Mainz.

Dualer Konzernsitz in Oberkochen und Jena

Infolge der deutschen Teilung spaltete sich das Unternehmen geografisch auf, was nach der Wiedervereinigung zu einer komplexen Zusammenführung der Betriebe führte. Die Carl Zeiss AG steuert heute von Oberkochen aus ein globales Imperium für Halbleiterfertigungstechnik, Medizintechnik und industrielle Messtechnik. Die Schott AG ergänzt dieses Portfolio als einer der weltweit führenden Spezialglashersteller mit Sitz in Mainz.

Vermögenswerte und unternehmerische Unabhängigkeit

Da es keine klassischen Familienerben in der Geschäftsführung gibt, fließt der Gewinn der Konzerne direkt in die Stiftung zurück, die damit Forschung und Lehre an staatlichen Universitäten fördert. Das Stiftungsvermögen wird durch den Wert der beiden Kernbeteiligungen definiert, die zusammen einen jährlichen Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich erwirtschaften. Ein privates Milliardenvermögen einzelner Zeiss-Nachkommen existiert aufgrund der historischen Stiftungsübertragung nicht.