Historische Marken · Nr. 27

Askania

Präzisions-Feinmechanik (Kameras, Chronometer, Uhren). Nach 1990 als kleine Uhrenmanufaktur wiederbelebt — mit dem Ursprungsunternehmen nur noch namentlich verwandt.

Von der Berliner Werkstatt zum globalen Optik-Giganten

Die Geschichte von Askania begann 1871, als Carl Bamberg in der Berliner Linienstraße eine Werkstatt für Präzisionsmechanik gründete, die schnell zum technologischen Herzstück der Hauptstadt aufstieg. Durch die Fusion der Bamberg-Werke mit der Centralwerkstatt für Gasgeräte entstand 1921 die Askania-Werke AG, die ihren Hauptsitz nach Berlin-Mariendorf verlegte. Das Unternehmen entwickelte sich dort zu einem der bedeutendsten deutschen Hersteller für maritime Navigationsinstrumente, geodätische Messgeräte und wissenschaftliche Apparaturen.

Produktikonen zwischen Filmset und Flugzeugcockpit

Weltweite Berühmtheit erlangte Askania durch die legendäre ‚Askania-Schulterkamera‘, mit der Filmklassiker wie ‚Der blaue Engel‘ gedreht wurden und die den Standard in der Kinematographie setzte. Parallel dazu dominierte die Marke die Luftfahrt des frühen 20. Jahrhunderts, indem sie Pioniere wie Elly Beinhorn mit Bordinstrumenten und dem berühmten Askania-Wendezeiger ausstattete. Auch die Astronomie setzte auf Berliner Präzision, was sich in der Ausrüstung zahlreicher internationaler Sternwarten mit Teleskopen aus Mariendorf widerspiegelte.

Zerschlagung und die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach 1945 wurde der Konzern durch die deutsche Teilung und Demontagen schwer getroffen, konnte jedoch in West-Berlin als Teil des Siemens-Konzerns zunächst wieder Fuß fassen. Die Produktion verlagerte sich zunehmend auf industrielle Mess- und Regeltechnik, womit die einst stolze Eigenständigkeit in der Feinmechanik allmählich verloren ging. In den 1970er Jahren folgte die Integration in die Bodenseewerk Gerätetechnik, bis die ursprüngliche Askania-Werke AG in den 1990er Jahren faktisch aufhörte zu existieren.

Die Rückkehr des Namens als Berliner Uhrenmanufaktur

Das Markenerbe blieb über ein Jahrzehnt verwaist, bis der Unternehmer Leonhard R. Müller die Namensrechte im Jahr 2004 erwarb und Askania als Uhrenmarke neu positionierte. Heute produziert die Manufaktur in den Hackeschen Höfen mechanische Armbanduhren, deren Design sich eng an den historischen Bordinstrumenten der Luftfahrt orientiert. Obwohl keine direkte industrielle Rechtsnachfolge zum alten Großkonzern besteht, pflegt das neue Unternehmen die lokale Tradition durch Modelllinien wie ‚Tempelhof‘ oder ‚Taube‘.