Historische Marken · Nr. 02

Blaupunkt

Der blaue Punkt garantierte einst zuverlässige Autoradios und HiFi. Bosch verkaufte die Marke 2009 an einen Finanzinvestor; die Autoradio-Produktion wurde kurz darauf eingestellt. Heute findet man Blaupunkt-Fernseher aus Fernost, Blaupunkt-Küchengeräte und Blaupunkt-E-Bikes — Lizenzware unterschiedlichster Herkunft.

Vom Berliner Reparaturbetrieb zum Qualitätssiegel der Ideal-Werke

Die Geschichte von Blaupunkt begann 1923 in Berlin-Lichtenberg als 'Ideal-Radio-Telefon- und Apparatebau', wobei das berühmte Markenzeichen zunächst reiner Pragmatismus war. Techniker versahen jedes geprüfte Kopfhörerpaar mit einem blauen Punkt als internes Siegel für bestandene Qualitätskontrollen, was bei Kunden so begehrt war, dass sich der Name 'Blaupunkt' als offizielle Firmenbezeichnung etablierte. Nach der Übernahme durch die Robert Bosch GmbH im Jahr 1932 entwickelte sich das Unternehmen zum Schrittmacher der mobilen Unterhaltungselektronik.

Weltmarktführer für den Soundtrack im Automobil

Mit dem Modell 'AS 5' präsentierte Blaupunkt 1932 das erste europäische Autoradio, welches damals jedoch den Preis eines Kleinwagens kostete und einen Rauminhalt von zehn Litern beanspruchte. In der Nachkriegszeit wurde die Fertigung nach Hildesheim verlagert, wo Ikonen wie die Radioserie 'Bremen' oder das erste UKW-Autoradio der Welt entstanden. Der blaue Punkt auf der Skala wurde zum Statussymbol der deutschen Automobilindustrie und war über Jahrzehnte fester Bestandteil der Erstausstattung von Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen.

Navigationspioniere und der schleichende Renditeverlust bei Bosch

Blaupunkt setzte technologische Meilensteine durch das Verkehrsfunk-System ARI und das erste serienreife Navigationssystem 'TravelPilot' im Jahr 1989. Trotz dieser Innovationskraft geriet die Sparte innerhalb des Bosch-Konzerns unter massiven Margendruck durch asiatische Wettbewerber und den Trend zu integrierten Infotainment-Systemen der Autohersteller. Im Jahr 2009 veräußerte Bosch die Traditionsmarke schließlich an den Münchner Finanzinvestor Aurelius, was das Ende der deutschen Eigenfertigung einläutete.

Insolvenzwelle und die Transformation zum reinen Markenlizenzgeber

Nach der Trennung von Bosch zerriss das Unternehmen in diverse Einzelteile, wobei die Blaupunkt GmbH 2015 schließlich Insolvenz anmelden musste und die verbliebene Entwicklung in Hildesheim abgewickelt wurde. Heute werden die Markenrechte von der GIP Development SARL in Luxemburg verwaltet, die das Logo gegen Gebühr an verschiedenste Hersteller weltweit vergibt. In der Folge prangt der blaue Punkt heute auf einer heterogenen Produktpalette, die von E-Bikes über Klimaanlagen bis hin zu Fernsehern aus türkischer oder chinesischer Produktion reicht.