Carl F. W. Borgward baute in den 1950ern die Isabella — ein Symbol des Wirtschaftswunders. 1961 Insolvenz unter umstrittenen Umständen. Ein Comeback-Versuch der chinesischen Foton/Beiqi 2016–2022 endete ohne Marktdurchbruch.
Carl F. W. Borgward und der Aufstieg aus Bremen-Sebaldsbrück
Der geniale Konstrukteur und Autokrat Carl Friedrich Wilhelm Borgward formte aus dem 1924 entwickelten dreirädrigen Lieferwagen 'Blitzkarren' ein industrielles Imperium im Bremer Osten. Bis in die 1950er Jahre entwickelte sich die Unternehmensgruppe mit den Marken Borgward, Hansa, Lloyd und Goliath zum zweitgrößten Automobilhersteller Deutschlands nach Volkswagen. Auf dem weitläufigen Werksgelände in Sebaldsbrück entstanden Fahrzeuge, die technisch ihrer Zeit oft voraus waren, wie der Hansa 1500 mit der ersten Pontonkarosserie aus deutscher Serienfertigung.
Die Isabella: Ein bürgerlicher Traum in Chrom und Blech
Im Jahr 1954 präsentierte Borgward mit der Isabella sein wichtigstes Modell, das mit seiner eleganten Linienführung und dem markanten Rhombus im Kühlergrill den Zeitgeist des Wirtschaftswunders perfekt traf. Besonders das 1957 eingeführte Coupé gilt bis heute als eine der schönsten Formen der Automobilgeschichte und festigte den Ruf der Marke als Premiumhersteller unterhalb der Mercedes-Klasse. Mit 75 PS und einer für damals beachtlichen Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h setzte der Wagen auch fahrtechnische Maßstäbe in der Mittelklasse.
Der umstrittene Zusammenbruch im Jahr 1961
Trotz technischer Brillanz litt das Unternehmen unter einer unübersichtlichen Modellpolitik und der Weigerung des Inhabers, eine Aktiengesellschaft zu gründen oder staatliche Kredite anzunehmen. Im Februar 1961 geriet Borgward in Liquiditätsengpässe, woraufhin der Bremer Senat unter fragwürdigen Umständen die Kontrolle übernahm und das Unternehmen in eine Sanierungs-GmbH überführte. Am Ende stand ein Konkurs, der bis heute Historiker beschäftigt, da nach der Abwicklung aller Forderungen ein beträchtlicher Millionenbetrag übrig blieb, was die tatsächliche Zahlungsunfähigkeit infrage stellte.
Chinesisches Intermezzo und das Erlöschen der Marke
Nach Jahrzehnten der Stille sicherte sich der Enkel Christian Borgward die Markenrechte und initiierte 2015 mit dem chinesischen Lkw-Riesen Beiqi Foton Motor ein Comeback. Die neuen SUV-Modelle BX5 und BX7 wurden primär für den chinesischen Markt produziert, konnten aber trotz eines kurzen Deutschland-Starts im Jahr 2018 nie an das Prestige der historischen Vorbilder anknüpfen. Im Jahr 2022 endete dieser Wiederbelebungsversuch schließlich vor einem Pekinger Gericht mit der offiziellen Insolvenz der Borgward Automotive China.