Ikonische Designmarke (Dieter Rams, Ulmer Schule). Braun-Rasierer werden seit der Procter-&-Gamble-Übernahme 2005 weiter produziert, aber unter US-Konzernführung.
Von der Frankfurter Werkstatt zum Weltruhm
Die Erfolgsgeschichte begann 1921, als Max Braun in Frankfurt am Main seine Werkstatt für Apparatebau gründete und zunächst mit Radio-Bauteilen den Markt eroberte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieben seine Söhne Erwin und Artur Braun die Expansion voran und führten 1950 mit dem S 50 den ersten elektrischen Trockenrasierer ein, der das Fundament für die weltweite Marktführerschaft legte.
Die Ära Rams und die Ulmer Schule
Mitte der 1950er Jahre revolutionierte Braun die Ästhetik von Konsumgütern durch die Zusammenarbeit mit der HfG Ulm und dem Chefdesigner Dieter Rams. Produkte wie die Radio-Phono-Kombination SK 4 – bekannt als Schneewittchensarg – oder die ikonische Stereoanlage Regie wurden zu Meilensteinen der Industriegeschichte, die noch Jahrzehnte später das Design von Tech-Giganten wie Apple maßgeblich beeinflussten.
Der langsame Abschied vom Familienunternehmen
Bereits 1967 verkauften die Erben die Mehrheitsanteile an den US-Konzern Gillette, da die Finanzierung der globalen Expansion und die zunehmende Konkurrenz aus Fernost neue Kapitalquellen erforderten. In den 1990er Jahren verlor die Marke unter dem Druck der Gewinnmaximierung an Innovationskraft, während die Produktion teilweise aus Deutschland abgezogen wurde, um die Kostenstrukturen dem Massenmarkt anzupassen.
Liquidation der AG und Aufspaltung unter P&G
Der endgültige Einschnitt erfolgte 2005 durch die Übernahme von Gillette durch den Konsumgüterriesen Procter & Gamble für rund 57 Milliarden Dollar, womit die Braun AG als eigenständige Aktiengesellschaft endete. Während P&G die Kernsparte der Rasierer und Epilierer behielt, wurde die Lizenz für Küchengeräte an die italienische De'Longhi-Gruppe übertragen, was zu einer Fragmentierung der Markenidentität führte.
Das Erbe zwischen High-Tech und Lizenzgeschäft
Heute existiert Braun primär als globale Dachmarke für spezialisierte Körperpflegeprodukte, die weiterhin im hessischen Walldürn gefertigt werden. Die legendären Audio-Geräte und Wecker werden hingegen über externe Lizenznehmer wie die britische Zeon Ltd vertrieben, die versuchen, das rams’sche Designethos in die digitale Gegenwart zu retten.