Zahlreiche DDR-Marken verschwanden nach der Wende; Interflug, Robotron, Trabant und andere sind heute historische Kategorien mit teilweiser Marken-Nachnutzung.
Von der Deutschen Lufthansa der DDR zur Interflug
Die Geschichte der sozialistischen Luftfahrt begann 1955 mit der Gründung der Deutschen Lufthansa in Ost-Berlin, die jedoch aufgrund markenrechtlicher Konflikte mit der westdeutschen Lufthansa zusehends unter Druck geriet. Als strategische Ausweichlösung wurde 1958 die Interflug Gesellschaft für internationalen Flugverkehr m.b.H. ins Leben gerufen, die 1963 die Betriebsteile der DDR-Lufthansa übernahm. Der Sitz am Flughafen Berlin-Schönefeld entwickelte sich zum zentralen Drehkreuz für Charter- und Linienverbindungen innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe sowie zu ausgewählten westlichen Destinationen.
Produktikonen zwischen IL-62 und Agrarflug
Das Markengesicht wurde maßgeblich durch die sowjetischen Flugzeugtypen Iljuschin Il-62 und die Kurzstreckenmaschine Tupolew Tu-134 geprägt, die in ihrer auffälligen rot-weißen Lackierung auf den Rollfeldern weltweit Präsenz zeigten. Neben dem Passagierverkehr betrieb das Unternehmen spezialisierte Bereiche wie den Agrarflug mit der Let Z-37 oder die staatliche Flugbereitschaft für die SED-Führung. Diese Diversifizierung machte die Interflug zu einem der komplexesten Staatsbetriebe der DDR, der sogar eigene Catering-Einheiten und Reisebüro-Strukturen unterhielt.
Finanzieller Sinkflug und das Aus nach der Wende
Trotz der Einführung moderner Airbus A310-Maschinen im Jahr 1989, die über Kredite aus der Bundesrepublik finanziert wurden, konnte sich die Airline nach der Währungsunion wirtschaftlich nicht halten. Die Treuhandanstalt suchte 1990 intensiv nach Investoren, wobei sogar Gespräche mit British Airways geführt wurden, die jedoch letztlich am Veto des Bundeskartellamts oder mangelndem Interesse scheiterten. Da die Kostenbasis im Vergleich zu westlichen Airlines bei gleichzeitig wegbrechenden Märkten in Osteuropa untragbar war, liquidierte die Treuhand das Unternehmen im Jahr 1991.
Integration der Dokumentenhoheit durch die Bundesdruckerei
Ein anderes Kapitel der DDR-Markenhistorie markiert die Übernahme des VEB Wertpapierdruckerei Leipzig durch die Bundesdruckerei GmbH nach der Wiedervereinigung. Während die Luftfahrtmarke Interflug komplett abgewickelt wurde, integrierte die Berliner Bundesdruckerei die technologischen Kompetenzen aus Leipzig, um die Produktion von Pässen und Briefmarken zu zentralisieren. Heute erinnert in Leipzig nur noch die Geschichte des Standortes an die einstige Bedeutung der staatlichen Druckkapazitäten für die Souveränität der DDR.