Historische Marken · Nr. 35

Dual (Plattenspieler)

Legendärer Plattenspielerhersteller, in den 1970ern Weltmarktführer. Nach mehrfachen Übernahmen wird der Name heute für einfachere HiFi-Produkte lizenziert.

Von der Uhrmacherfeder zum Dual-Motor in St. Georgen

Die Geschichte von Dual begann 1900 im Schwarzwälder St. Georgen, als Christian Steidinger mit der Fertigung von Federwerken für Grammofone startete. Der Durchbruch gelang 1927 mit dem markenprägenden 'Dual-Motor', einem kombinierten Antrieb aus Federwerk und Elektromotor, der dem Unternehmen seinen dauerhaften Namen verlieh. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Familienunternehmen zum größten Produzenten von Plattenspielern in Europa.

Die Ära der HiFi-Ikonen 1019 und 1219

In den 1960er- und 1970er-Jahren setzte Dual mit Modellen wie dem 1019 oder dem Reibrad-Klassiker 1219 technische Maßstäbe in der HiFi-Welt. Mit über 3.000 Mitarbeitern und einer Exportquote von fast 80 Prozent dominierte der Schwarzwälder Hersteller den Weltmarkt für hochwertige Heimanlagen. Die vollautomatischen Wechsler galten damals als Inbegriff deutscher Ingenieurskunst und mechanischer Präzision.

Der Aufstieg Japans und das Ende der Eigenständigkeit

Trotz technologischer Innovationen geriet Dual Ende der 1970er-Jahre durch die aufkommende CD-Technik und die aggressive Preispolitik japanischer Massenhersteller unter massiven Druck. Im Jahr 1982 musste das Traditionsunternehmen schließlich Konkurs anmelden, woraufhin der französische Elektronikriese Thomson die Marke und die Reste des Betriebs übernahm. Damit endete die Ära der Steidinger-Familie als prägende Kraft im Schwarzwald.

Zersplitterung der Namensrechte und heutige Präsenz

Heute existiert die Marke Dual in einer gespaltenen Struktur zwischen reiner Lizenzvermarktung und technischer Fortführung. Während die Markenrechte für Europa größtenteils bei der DGC GmbH in Landsberg am Lech liegen, vertreibt die Dual GmbH (ehemals Alfred Fehrenbacher) in St. Georgen weiterhin klassische Plattenspielermodelle unter dem Label 'Dual CS'. Damit bleibt der Standort im Schwarzwald zumindest in der Produktion hochwertiger Nischenprodukte bis heute mit dem historischen Erbe verbunden.