Historische Marken · Nr. 07

Hoechst AG

Einer der drei großen deutschen Chemiekonzerne (mit Bayer und BASF). Nach Fusion 1999 mit Rhône-Poulenc zu Aventis und weiter zu Sanofi 2004 verschwand der Name aus dem operativen Geschäft — das Werksgelände in Höchst wird als Industriepark weitergeführt.

Vom Frankfurter Teerfarben-Startup zur Weltapotheke

Die Geschichte der Hoechst AG begann 1863 am Mainufer, als Carl Friedrich Wilhelm Meister, Eugen Lucius und Ludwig August Müller die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co. gründeten. Aus dem anfänglichen Fokus auf Anilinfarben wie Fuchsin und Alizarin entwickelte sich unter der Leitung prägender Figuren wie Herbert Winnacker ein diversifizierter Chemie- und Pharmagigant. Im 20. Jahrhundert stieg Hoechst zum umsatzstärksten Chemiekonzern der Welt auf und bildete zusammen mit Bayer und BASF das Dreigestirn der deutschen Industrieikonen.

Produktikonen von Novalgin bis zum Hostalen

In den Laboratorien von Hoechst entstanden Medizin-Klassiker wie das weltweit bekannte Schmerzmittel Novalgin, das bereits 1922 auf den Markt kam, sowie das erste synthetisch hergestellte Adrenalin namens Suprarenin. Auch im Kunststoffbereich setzte das Unternehmen Maßstäbe durch die Entwicklung von Hostalen, einem Niederdruck-Polyethylen, für dessen Erforschung Karl Ziegler 1963 den Nobelpreis erhielt. Diese Innovationskraft sicherte über Jahrzehnte den Ruf als 'Apotheke der Welt' und trieb den Ausbau des Industrieparks Höchst voran.

Der radikale Strategiewechsel unter Jürgen Dormann

Mitte der 1990er Jahre leitete der Vorstandsvorsitzende Jürgen Dormann eine Zäsur ein, indem er das Ende der klassischen Verbundstruktur und des Gemischtwarenladens verkündete. Unter dem Slogan 'Life Sciences' wurden traditionsreiche Sparten wie die Spezialchemie im Jahr 1997 an das Schweizer Unternehmen Clariant ausgegliedert oder als Celanese abgespalten. Dieser Umbau zielte auf eine Konzentration auf hochmargige Pharma- und Agrarprodukte ab, zerstörte jedoch die über ein Jahrhundert gewachsene Konzernidentität.

Fusion zu Aventis und das Erbe im Industriepark

Im Jahr 1999 verschmolz die Hoechst AG offiziell mit dem französischen Wettbewerber Rhône-Poulenc zur neuen Gesellschaft Aventis mit Sitz in Straßburg, was faktisch das Ende der Marke Hoechst bedeutete. Nur fünf Jahre später wurde Aventis im Zuge einer feindlichen Übernahme durch Sanofi-Synthélabo geschluckt, wodurch die Hoechst-Wurzeln heute im Sanofi-Konzern aufgegangen sind. Das physische Erbe wird am Standort Frankfurt durch den Industriepark Höchst gewahrt, der als einer der größten Forschungs- und Produktionsstandorte der Chemiebranche in Europa fortbesteht.