Röhrenpionier und späterer Mischkonzern (u. a. D2-Mobilfunk) — bis Vodafone im ersten großen feindlichen Übernahmefall Deutschlands den Konzern für ~ 190 Mrd. Euro schluckte. Die Marke Mannesmann existiert nur noch als Werkzeugmarke einer Baumarktkette.
Von Remscheider Röhrenwalzwerken zur globalen Industrieikone
Die Geschichte von Mannesmann begann 1885 in Remscheid mit der Erfindung des Schrägwalzverfahrens zur Herstellung nahtloser Stahlrohre durch die Brüder Reinhard und Max Mannesmann. Im Jahr 1890 wurden diese technologischen Grundlagen in der Deutsch-Österreichischen Mannesmannröhren-Werke Aktiengesellschaft gebündelt, die ihren Sitz bald nach Düsseldorf verlegte. Diese 혁신 bildete das Fundament für eine beispiellose Expansion, die das Unternehmen zum Weltmarktführer für hochwertige Rohrleitungssysteme aufsteigen ließ.
Der radikale Wandel vom Stahlriesen zum Mobilfunk-Vorreiter
Unter der Führung von Klaus Esser vollzog Mannesmann in den 1990er Jahren eine der spektakulärsten Transformationen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Durch den Aufbau des D2-Netzes positionierte sich der einstige Röhrenproduzent erfolgreich als ernstzunehmender Herausforderer der Deutschen Telekom. In dieser Blütezeit wandelte sich das Konglomerat zu einem integrierten Technologiekonzern, der neben Stahl und Automotive massiv in die digitale Infrastruktur investierte.
Die 190-Milliarden-Euro-Schlacht gegen Vodafone
Der Erfolg im Mobilfunksektor weckte die Begehrlichkeiten des britischen Konkurrenten Vodafone, was im Jahr 1999 zur ersten großen feindlichen Übernahmeschlacht auf deutschem Boden führte. Nach monatelangem Widerstand und hitzigen öffentlichen Debatten gab der Vorstand im Februar 2000 schließlich nach, als das Angebot auf eine astronomische Summe von rund 190 Milliarden Euro erhöht wurde. Dieser Deal gilt bis heute als die teuerste Unternehmensübernahme der Welt und markierte das Ende der Eigenständigkeit von Mannesmann.
Zerschlagung und das Erbe in der Werkzeugkiste
Nach der Übernahme wurde der Konzern zügig zerschlagen, wobei Vodafone lediglich das Mobilfunkgeschäft behielt und die klassischen Industriesparten an Konkurrenten wie Salzgitter oder Siemens veräußerte. Der traditionsreiche Name Mannesmann verschwand weitgehend aus dem öffentlichen Stadtbild Düsseldorfs und der Schwerindustrie. Heute begegnet Konsumenten die Marke fast ausschließlich noch bei Handwerkzeugen, deren Markenrechte von der Brüder Mannesmann Werkzeuge GmbH aus Remscheid genutzt werden.