Historische Marken · Nr. 14

Nordmende

Radios und Fernseher aus Bremen — bis das französische Thomson-Konsortium die Marke übernahm und still legte. Seit einigen Jahren erscheinen Nordmende-Fernseher wieder — als Handelslizenz eines osteuropäischen Herstellers.

Vom Bremer Rundfunk-Pionier zum Wirtschaftswunder-Riesen

Die Geschichte von Nordmende begann 1923, als Otto Hermann Mende in Bremen die Radio-H. Mende & Co. gründete und damit den Grundstein für einen der bedeutendsten deutschen Unterhaltungselektronik-Hersteller legte. Nach der weitgehenden Zerstörung der Produktionsanlagen im Zweiten Weltkrieg baute sein Sohn Karl Mende das Unternehmen unter dem Namen Norddeutsche Mende-Rundfunk KG in ehemaligen Focke-Wulf-Hallen neu auf. In den 1950er Jahren entwickelte sich die Marke durch eine konsequente Qualitätsstrategie zu einem Inbegriff für westdeutschen Wohlstand.

Ikonen der Radioröhren und das Prestige-Chassis

Besonderen Kultstatus erreichten die Radio-Modelle der Serie 'Othello' sowie die Kofferradios der 'Transita'-Reihe, die mit ihrem markanten Design den Zeitgeist der Adenauer-Ära prägten. In der Blütezeit der 1960er Jahre setzte Nordmende Maßstäbe durch die Einführung moderner Fertigungsstraßen für Farbfernseher im Bremer Werk. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt mehrere tausend Mitarbeiter und exportierte seine Geräte weltweit als deutsche Ingenieurskunst.

Der Preisdruck und der Aufkauf durch Thomson

Ab Mitte der 1970er Jahre geriet Nordmende, wie viele deutsche Hersteller, durch die aggressive Preispolitik japanischer Konkurrenten massiv unter Druck. Die Familie Mende sah sich schließlich gezwungen, das Unternehmen 1977 anteilig und 1978 vollständig an den französischen Staatskonzern Thomson-Brandt zu veräußern. Thomson integrierte Nordmende in seine Mehrmarkenstrategie, was jedoch langfristig zum Identitätsverlust und zur Schließung der traditionsreichen Bremer Produktionsstätten in den 1980er Jahren führte.

Lizenzgeschäfte und das Comeback aus Osteuropa

Nachdem der Markenname jahrelang in den Archiven von Thomson (heute Technicolor) ruhte, erlebte Nordmende durch Lizenzvergaben eine Wiederauferstehung im Handel. Seit 2017 hält die TechniSat Digital GmbH die Markenrechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz und vertreibt unter dem vertrauten Logo Digitalradios und TV-Geräte. Parallel dazu werden Nordmende-Fernseher für den europäischen Markt teils über den türkischen Elektronikriesen Vestel oder osteuropäische Produzenten wie das polnische Unternehmen Skyworth gefertigt.