Historische Marken · Nr. 43

Osram (als DDR-Kombinat NARVA)

NARVA — das DDR-Pendant zu Osram — wurde nach 1990 abgewickelt; Osram selbst existiert weiter, wurde aber zwischenzeitlich (2020) an ams verkauft.

Vom Osram-Stammwerk zum Berliner Glühlampenwerk

Die Geschichte von NARVA ist untrennbar mit dem Standort Berlin-Friedrichshain verbunden, wo im sogenannten „Lampenstadt“-Areal bereits vor dem Krieg für Osram produziert wurde. Nach 1945 wurden die dortigen Werksanlagen als VEB Berliner Glühlampenwerk verstaatlicht und bildeten ab 1969 das Herzstück des Kombinats, das den Namen NARVA erhielt. Die Bezeichnung leitete sich technisch aus den Edelgasen Stickstoff (Nitrogenium), Argon und Vakuum ab und markierte den Anspruch, die gesamte Lichttechnik des Ostblocks anzuführen.

Produktikonen zwischen Flutlicht und Wohnzimmer

NARVA war für die flächendeckende Versorgung der DDR mit Leuchtmitteln verantwortlich und wurde durch Produkte wie die Allgebrauchslampe in der markanten blau-gelben Verpackung zum Haushaltsnamen. Über die Standardglühbirne hinaus fertigte das Kombinat spezialisierte Hochdruck-Quecksilberdampflampen für die Straßenausleuchtung sowie Halogen-Scheinwerfer für den Exportmarkt. In Spitzenzeiten beschäftigte der Verbund rund 15.000 Mitarbeiter an Standorten wie Brand-Erbisdorf, Plauen und Weißwasser, wobei ein erheblicher Teil der Produktion als Devisenbringer in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet floss.

Struktureller Umbruch und der Schock der Währungsunion

Mit der Währungsunion 1990 verlor das Kombinat über Nacht seinen geschützten Binnenmarkt und sah sich einer überlegenen Konkurrenz durch westliche Konzerne wie Philips oder eben die einstige Mutter Osram gegenüber. Die veralteten Produktionsanlagen und eine massive ökologische Altlastenproblematik an den Glasstandorten erschwerten die Privatisierung durch die Treuhandanstalt erheblich. Da die technologische Lücke bei Energiesparlampen zu groß war, wurde die Liquidation der zentralen Berliner Einheiten bis 1993 unausweichlich.

Das Erbe im Glaswerk Brand-Erbisdorf

Obwohl das Berliner Hauptwerk heute als „Narva-Turm“ lediglich ein weithin sichtbares Architekturdenkmal ist, überlebten Teile der Produktion in Sachsen. Die heutige Narva Lichtquellen GmbH + Co. KG in Brand-Erbisdorf führt die Tradition der Speziallampenfertigung fort und nutzt den Markennamen weiterhin für industrielle Anwendungen. Während Osram nach der Abspaltung von Siemens und der Übernahme durch ams im Jahr 2020 globale Halbleiterstrategien verfolgt, bleibt NARVA als Nischenakteur für Spezialglas und UV-Technik bestehen.