Neben Otto und Neckermann der Versandhandel-Riese der Bundesrepublik; mit dem Aufkommen von Amazon verschwand nicht nur das Modell, sondern auch die Marke. Der Name wird heute nur noch nostalgisch verwendet.
Vom fränkischen Kurzwarenhandel zum Katalog-Imperium
Gegründet wurde das Unternehmen 1927 von Gustav Schickedanz in Fürth, der mit der Idee des preiswerten Versands von Textilien den Nerv der Zeit traf. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Quelle zum Motor des Wirtschaftswunders und bezog 1954 das monumentale Versandzentrum an der Fürther Straße in Nürnberg, das damals als größtes Bauwerk Europas galt.
Privileg und Universum als technische Alltagsbegleiter
In den 1960er- und 70er-Jahren prägte Quelle den deutschen Haushalt durch preisgünstige Eigenmarken, die Technik für die breite Masse erschwinglich machten. Besonders die Waschmaschinen und Kühlschränke der Marke Privileg sowie die Unterhaltungselektronik von Universum genossen Kultstatus und machten das Unternehmen zum unangefochtenen Marktführer vor der Konkurrenz aus Hamburg und Frankfurt.
Strukturwandel und das Erbe von Grete Schickedanz
Nach dem Tod des Gründers führte seine Frau Grete Schickedanz das Imperium jahrzehntelang fort, während der Konzern durch Zukäufe wie die Foto-Quelle oder die Reise-Quelle expandierte. Doch die späten 1990er-Jahre markierten den Beginn einer fatalen Abwärtsspirale, die durch die Fusion mit dem Warenhausriesen Karstadt zur KarstadtQuelle AG (später Arcandor) eingeleitet wurde.
Das bittere Aus durch die Internet-Revolution
Das Management verschlief die Transformation zum E-Commerce und hielt zu lange an den tonnenschweren Katalogen fest, während Amazon den Markt neu ordnete. Die Insolvenz der Muttergesellschaft Arcandor im Jahr 2009 besiegelte schließlich das Schicksal des Traditionshauses, woraufhin der Betrieb der Quelle GmbH im Oktober desselben Jahres eingestellt wurde.
Markenrechte unter dem Dach der Otto Group
Nach der Zerschlagung des Konzerns sicherte sich die Hamburger Otto Group die Markenrechte an Quelle sowie der Küchengerätesparte Privileg. Heute existiert Quelle lediglich als Online-Shop für Technik und Haushalt unter der Führung von Otto, während die historische Zentrale in Nürnberg als Industriedenkmal zu einem modernen Quartier umgebaut wird.