Rolleiflex war die legendäre Mittelformat-Kamera. Der Firmenname überlebte Insolvenzen 2007 und 2015 — heute findet man Rollei-Zubehör (Stative, Filter, kleine Kameras) im Handel, produziert überwiegend in Fernost.
Präzision aus Braunschweig: Die Ära Heidecke und Franke
Die Erfolgsgeschichte begann 1920 in Braunschweig, als der Mechaniker Reinhold Heidecke und der Kaufmann Paul Franke das Unternehmen Werkstatt für Feinmechanik und Optik gründeten. Mit der Einführung der zweiäugigen Rolleiflex im Jahr 1929 revolutionierte Rollei den Kameramarkt und setzte Maßstäbe für Profifotografen weltweit. Die robuste Bauweise und das quadratische 6x6-Format machten die Kameras aus Niedersachsen über Jahrzehnte zum Standardwerkzeug der internationalen Pressefotografie.
Technologische Meilensteine von der Rollei 35 bis zum SL-System
In den 1960er Jahren bewies Rollei mit der Rollei 35, der damals kleinsten Kleinbildkamera der Welt, erneut seine Innovationskraft. Die unter der Leitung von Heinrich Peesel entwickelten Projektoren und das SL-Spiegelreflexsystem versuchten, die aufkommende Konkurrenz aus Japan technologisch zu überbieten. Trotz der hohen Fertigungsqualität in Braunschweig fehlte es dem Unternehmen zunehmend an preislichen Wettbewerbsvorteilen gegenüber Marken wie Nikon oder Canon.
Produktionsverlagerung nach Singapur und strategische Fehlentscheidungen
Um die Produktionskosten zu senken, eröffnete Rollei Anfang der 1970er Jahre ein massives Werk in Singapur, das zur finanziellen Belastungsprobe wurde. Die hohen Investitionssummen und die mangelnde Flexibilität bei der Umstellung auf elektronische Kamerakomponenten führten 1981 in die erste große Insolvenz. In den folgenden zwei Jahrzehnten wechselten die Eigentümer häufig, darunter die Norddeutsche Landesbank, Samsung und diverse Investmentgruppen.
Abwicklung der Franke & Heidecke GmbH und Marken-Neustart
Nach der endgültigen Insolvenz der Nachfolgegesellschaft Franke & Heidecke im Jahr 2009 endete die Ära der Kameraproduktion am Standort Braunschweig weitestgehend. Die Markenrechte wurden von der RCP-Technik GmbH aus Hamburg erworben, die das Branding für ein neues Sortiment nutzte. Seit 2015 agiert das Unternehmen wieder unter dem Namen Rollei GmbH & Co. KG und konzentriert sich auf den Import von elektronischem Zubehör.
Vom Mittelformat-Pionier zum modernen Zubehör-Spezialisten
Heute hat Rollei seinen Firmensitz in Norderstedt und vertreibt vor allem Stative, Filter, Actioncams und Studiobeleuchtung, die überwiegend in Fernost gefertigt werden. Während die originalen Rolleiflex-Kameras als Sammlerstücke hohe Preise erzielen, ist die aktuelle Marke ein reiner Handelsname für den Consumer-Bereich. Die Verbindung zur ursprünglichen feinmechanischen Fertigung besteht nur noch in der historischen Identität und dem Logo.