Telekommunikationskonzern, in den 1980ern von Alcatel übernommen — heute Teil von Nokia.
Die Fusion der Berliner Pioniere und der Stuttgarter Aufstieg
Die Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) entstand 1958 durch den Zusammenschluss der C. Lorenz AG und der Standard Elektromaschinen AG unter Führung des amerikanischen ITT-Konzerns. Die Wurzeln des Unternehmens reichten jedoch bis in das Jahr 1930 zurück, als ITT die deutschen Beteiligungen rund um den Standort Stuttgart konsolidierte. SEL entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Zulieferer der Deutschen Bundespost und formte mit tausenden Mitarbeitern das industrielle Rückgrat der Region.
Produktikonen von der FeTAp-Serie bis zum Farbfernseher
In der Blütezeit dominierten SEL-Produkte den Alltag der Bundesrepublik, allen voran die Fernsprech-Tischapparate der Serie FeTAp 611, die in fast jedem Haushalt zu finden waren. Unter der Marke Schaub-Lorenz setzte das Unternehmen zudem technische Maßstäbe in der Unterhaltungselektronik mit Geräten wie dem tragbaren Kofferempfänger Touring. In der Vermittlungstechnik sicherte sich das Unternehmen eine Spitzenposition durch die Entwicklung digitaler Vermittlungssysteme wie dem System 12.
Strukturkrise und der Verkauf an den Alcatel-Konzern
Mitte der 1980er Jahre führten hohe Forschungs- und Entwicklungskosten für digitale Netzstrukturen und der zunehmende Wettbewerbsdruck zur Zäsur. Der Mutterkonzern ITT verkaufte zum Jahreswechsel 1986/1987 seine Telekommunikationssparte an das französische Unternehmen Alcatel, wodurch die SEL AG zum Kernstück der Alcatel Deutschland wurde. Dieser Schritt markierte das Ende der Eigenständigkeit und den Beginn einer schrittweisen Integration in globale Konzernstrukturen.
Verschwinden der Marke und das Erbe unter Nokia
Die Traditionsmarke SEL verschwand in den 1990er Jahren zunehmend aus dem öffentlichen Fokus, als die Unterhaltungselektronik-Sparte an Nokia veräußert wurde. Nach der Fusion von Alcatel mit Lucent Technologies im Jahr 2006 und der späteren Übernahme durch Nokia im Jahr 2016 verbleiben heute nur noch infrastrukturelle Fragmente des einstigen Giganten. In Stuttgart-Zuffenhausen erinnern heute vor allem noch Straßennamen und die dort ansässigen Forschungszentren an die Ära der Standard Elektrik Lorenz.