Deutsche Marken · Nr. 06

dm-drogerie markt

Größte Drogeriekette Europas, weiter in Familienhand der Werner-Erben. Eigenmarken wie Balea, Alverde und dmBio sichern zweistellige Margen. Götz Werner prägte mit dem Grundeinkommens-Diskurs auch die Personalpolitik seines Konzerns.

Vom Karlsruher Experiment zum europäischen Branchenprimus

Die Erfolgsgeschichte von dm begann 1973, als Götz Werner sein erstes Fachgeschäft in Karlsruhe eröffnete und damit das klassische Bedienungskonzept der Drogerien revolutionierte. Durch die konsequente Expansion und die Übernahme von Wettbewerbern entwickelte sich das Unternehmen zur umsatzstärksten Drogeriekette Europas mit über 4.000 Filialen. Heute steuert die Zentrale im Karlsruher 'dm-Dialogicum' ein Imperium, das allein in Deutschland über 11 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftet.

Die Ertragssäulen Balea, Alverde und dmBio

Im Sortiment setzen die Karlsruher maßstabsetzende Akzente durch ein Portfolio von über 20 Eigenmarken, die gezielt Preissegmente vom Preiseinstieg bis zum Premium-Naturkosmetikbereich besetzen. Marken wie Balea oder die zertifizierte Naturkosmetik Alverde erzielen durch den Wegfall von Marken-Lizenzgebühren überdurchschnittliche Margen und binden Kunden durch Exklusivität an die Regale. Mit dmBio reagierte der Konzern zudem frühzeitig auf den Bio-Trend und verdrängte klassische Reformhausprodukte aus der Nische in den Massenmarkt.

Anthroposophische Wurzeln und das Erbe von Götz Werner

Die Unternehmenskultur ist tief geprägt von der anthroposophischen Orientierung des Gründers Götz Werner, der Hierarchien flach hielt und den 'Lernort dm' schuf. Sein öffentliches Eintreten für ein bedingungsloses Grundeinkommen spiegelte sich intern in einer außergewöhnlich hohen Eigenverantwortung der Filialteams wider. Nach seinem Tod im Jahr 2022 führt sein Sohn Christoph Werner das Unternehmen als Vorsitzender der Geschäftsführung im Sinne dieser wertorientierten Philosophie fort.

Stabilität durch die Werner-Erben und die Lohmann-Stiftung

Die Eigentümerstruktur bietet Schutz vor kurzfristigen Shareholder-Value-Interessen, da die Anteile maßgeblich in den Händen der Familie Werner und der unternehmerisch verbundenen Familie Lehmann liegen. Um das Unternehmen vor Erbstreitigkeiten und Zerschlagung zu schützen, übertrug Götz Werner seine Anteile bereits frühzeitig in eine gemeinnützige Stiftung. Diese Konstruktion sichert die Reinvestition von Gewinnen in die Modernisierung des Filialnetzes und die digitale Infrastruktur, wie etwa die 'Mein dm'-App.

Visuelle Identität und der Claim der Subjektivität

Das Corporate Design mit den charakteristischen Farben Pink und Gelb sowie der minimalistischen Typografie sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert im Stadtbild. Der seit den 1990er Jahren bestehende Claim 'Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein' stellt bewusst das Individuum in den Mittelpunkt der Markenkommunikation. Diese emotionale Aufladung unterscheidet dm deutlich vom eher preis- und zweckorientierten Auftreten des Hauptkonkurrenten Rossmann.