Werner von Siemens erfand die Dynamomaschine. Heute Industrie-Konglomerat (Automatisierung, Mobilität, Medizin über abgespaltenes Healthineers).
Von der Hinterhof-Werkstatt zum Telegraphen-Pionier
Die Geschichte von Siemens begann 1847 in einem Berliner Hinterhof, wo Werner Siemens und Johann Georg Halske die Telegraphenbauanstalt gründeten. Der entscheidende technologische Durchbruch gelang 1866 mit der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips, welches die Erzeugung von Starkstrom erst wirtschaftlich machbar machte. Dieser Pioniergeist legte das Fundament für die Elektrifizierung ganzer Kontinente, eindrucksvoll dokumentiert durch den Bau der indoeuropäischen Telegraphenlinie.
Technologische Schwerpunkte in München und Erlangen
Nach der Neuausrichtung weg von der Konsumentenelektronik konzentriert sich die heutige Siemens AG mit Sitz in München auf die industrielle Digitalisierung und Infrastruktur. In Erlangen treibt das Unternehmen die Entwicklung des 'Digitalen Zwillings' voran, um Produktionsprozesse in der Fabrikautomatisierung virtuell zu simulieren. Die Sparte Digital Industries bildet dabei das Herzstück für die Steuerungstechnik, die weltweit in unzähligen Fertigungsstraßen zum Einsatz kommt.
Mobilität auf Schienen und der Claim Ingenuity for Life
Die Sparte Siemens Mobility ist fest im Markenbild verankert und produziert am Standort Krefeld-Uerdingen unter anderem den Hochgeschwindigkeitszug ICE 4 für die Deutsche Bahn. Mit dem Slogan 'Ingenuity for Life' unterstreicht der Konzern seit 2016 seinen Anspruch, technische Innovationen mit gesellschaftlichem Nutzen zu verbinden. Das Design der Produkte folgt dabei einer klaren, funktionalen Linie, die Professionalität und Verlässlichkeit im B2B-Sektor ausstrahlen soll.
Strategische Abspaltungen und die Rolle der Gründerfamilie
Unter ehemaligen Vorstandschefs wie Joe Kaeser wandelte sich Siemens zu einem 'Agility-Verband' durch den Börsengang der Siemens Healthineers und der Abspaltung von Siemens Energy. Trotz dieser tiefgreifenden Strukturänderungen hält die Familie Siemens etwa sechs Prozent der Anteile und sichert sich über den Sitz im Aufsichtsrat einen langfristigen Einfluss auf die strategische Ausrichtung. Diese Stabilität im Aktionariat gilt als Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen rein renditeorientierten US-Konkurrenten.
Marktführerschaft durch Xcelerator und Software-Investitionen
Siemens positioniert sich heute weniger als klassischer Maschinenbauer, sondern als führendes Softwareunternehmen für die Industrie. Mit der Einführung der offenen Business-Plattform Siemens Xcelerator im Jahr 2022 reagierte das Management auf die Notwendigkeit der Vernetzung im Internet der Dinge. Im Bereich der Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) behauptet der Konzern mit der Simatic-Serie eine dominante Marktposition gegenüber Wettbewerbern wie Rockwell Automation oder Schneider Electric.