Deutsche Marken · Nr. 62

Thyssenkrupp

Fusion der Stahlgiganten Thyssen und Krupp. Seither in kontinuierlichem Umbau; Aufzugssparte 2020 für 17 Mrd. Euro verkauft.

Vom Stahl-Schmied zum Technologie-Konglomerat

Die Marke Thyssenkrupp entstand im März 1999 durch die Fusion der zwei traditionsreichen Ruhrgebiets-Konkurrenten Thyssen aus Duisburg und Krupp aus Essen. Dieser Zusammenschluss markierte den Endpunkt einer jahrzehntelangen Rivalität im Herzen der deutschen Industriegeschichte und schuf einen Giganten, der die Wertschöpfungskette vom Grobblech bis zum U-Boot-Bau abdeckte. Heute wird der Konzern von der Essener Hauptverwaltung aus gesteuert, wobei die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als Ankeraktionärin das historische Erbe sowie die soziale Verantwortung der Eignerfamilie bewahrt.

Das Signet der verschmolzenen Ringe

Das heutige visuelle Erscheinungsbild des Konzerns kombiniert die Identitäten beider Vorgängerhäuser zu einem kohärenten Logo. Der Bogen von Thyssen und die ikonischen drei Ringe von Krupp, die ursprünglich für die nahtlos geschmiedeten Eisenbahn-Radreifen standen, verschmelzen seit dem Rebranding 2015 zu einer Einheit. Unter dem Claim 'engineering. tomorrow. together.' versucht das Unternehmen, den technologischen Fokus weg von der reinen Schwerindustrie hin zu komplexen Ingenieurslösungen für Mobilität und Infrastruktur zu lenken.

Der Verkauf der Aufzugssparte als Zäsur

Ein finanzieller Wendepunkt in der jüngeren Markengeschichte war das Jahr 2020, als sich Thyssenkrupp aufgrund hoher Schuldenlasten von seinem profitabelsten Segment, der Elevator Technology, trennte. Ein Konsortium aus Finanzinvestoren wie Advent und Cinven zahlte rund 17,2 Milliarden Euro für die Sparte, was dem Konzern die notwendige Liquidität für den laufenden Strukturwandel verschaffte. Dieser Abgang hinterließ jedoch eine Lücke in der Markenwahrnehmung, da die bekannten Aufzüge in Wolkenkratzern weltweit nun nicht mehr zum Kernportfolio gehören.

Produktvielfalt zwischen Wasserstoff und Wehrtechnik

In der aktuellen Marktpositionierung setzt Thyssenkrupp verstärkt auf grüne Transformation, insbesondere durch die Tochtergesellschaft nucera, die auf Elektrolyse-Anlagen zur Wasserstoffherstellung spezialisiert ist. Gleichzeitig bleibt der Konzern durch Thyssenkrupp Marine Systems ein international führender Anbieter im konventionellen U-Boot-Bau, wie etwa der Klasse 212A. Die klassische Stahlproduktion unter der Marke Steel Europe steht hingegen vor massiven Herausforderungen durch die Umstellung auf klimaneutrale Direktreduktionsanlagen am Standort Duisburg.