Größte Pleiten · Nr. 01

AEG (1982 & 1996)

Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der Weltkonzerne — 1982 folgte der erste spektakuläre Vergleichsantrag mit 60.000 Beschäftigten. Nach Übernahme durch Daimler-Benz 1985 folgte 1996 die endgültige Zerschlagung. Der Markenname wurde an Electrolux verkauft.

Vom Weltkonzern zur strukturellen Krise unter Plettner

Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, einst von Emil Rathenau gegründet, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Elektrokonzerne der Welt, verlor jedoch in den 1970er Jahren den Anschluss an den technologischen Wandel. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Hans Grobe und später Heinz Dürr häuften sich die Verluste in Sparten wie der Unterhaltungselektronik und durch die riskante Beteiligung an der Kernreaktortechnik bei der Kraftwerk Union (KWU). Missglückte Produktoffeniven und eine enorme Verschuldung führten dazu, dass das Unternehmen bereits Ende der 1970er Jahre nur durch massive Bankenbürgschaften gestützt werden konnte.

Der Vergleichsantrag 1982 und die Rolle von Willi Hasselmann

Am 9. August 1982 musste die AEG-Telefunken AG beim Amtsgericht Frankfurt einen Vergleichsantrag zur Abwendung des Konkurses stellen, was als die schwerste Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte galt. Der bestellte Vergleichsverwalter Willi Hasselmann begleitete die Sanierung, bei der Gläubiger auf Forderungen in Milliardenhöhe verzichteten und das Unternehmen mit staatlichen Bürgschaften über 1,1 Milliarden D-Mark vorerst gerettet wurde. Dennoch verloren rund 20.000 der damals rund 60.000 verbliebenen Mitarbeiter in Deutschland ihren Arbeitsplatz, da defizitäre Sparten und Standorte konsequent abgestoßen wurden.

Die Daimler-Ära und die Vision des Integrierten Technologiekonzerns

Nach dem Abschluss des Vergleichs im Jahr 1984 übernahm die Daimler-Benz AG unter Edzard Reuter 1985 die Mehrheit an der AEG, um den Autobauer zum integrierten Technologiekonzern umzubauen. Trotz massiver Investitionen in Bereiche wie die Mikroelektronik oder die Automatisierungstechnik gelang es nicht, die AEG dauerhaft in die Gewinnzone zu führen. Synergieeffekte blieben aus, während die Konkurrenz aus Asien den Preisdruck in der Haushaltsgeräte- und Rundfunktechnik massiv verschärfte.

Die endgültige Auflösung 1996 und der Verkauf an Electrolux

Im Januar 1996 verkündete der Daimler-Vorstand unter der neuen Leitung von Jürgen Schrempp die endgültige Liquidierung der AEG, die zur Auflösung der Holding und zur Integration verbliebener Kerngeschäfte wie der Schienenfahrzeugtechnik in den Daimler-Konzern führte. Die traditionsreiche Hausgerätesparte am Standort Nürnberg war bereits 1994 an die schwedische Electrolux-Gruppe veräußert worden, die sich damit auch die Markenrechte sicherte. Heute finden sich die drei Buchstaben AEG primär als Lizenzmarke auf Haushaltsgeräten und Elektroladestationen wieder, während die historische Industriesubstanz vollständig zerschlagen wurde.