Größte Pleiten · Nr. 02

Air Berlin (2017)

Zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, überdehnt durch Übernahmen (LTU, dba) und leidend unter unklarem Geschäftsmodell zwischen Low-Cost und Netzwerk. Der Ausstieg von Großaktionär Etihad besiegelte das Ende. Lufthansa und Easyjet teilten sich die Slots.

Zukäufe ohne Strategie: Die fatale Expansion unter Joachim Hunold

Der Niedergang der Air Berlin wurzelt in einer rasanten, aber unglücklichen Expansionsphase ab dem Jahr 2006, in der die Berliner durch Zukäufe wie dba und den Ferienflieger LTU massiv wuchsen. Diese Strategie schuf eine strukturelle Identitätskrise zwischen einem Low-Cost-Modell und dem Versuch, als globale Netzwerk-Airline inklusive Langstrecken ab Düsseldorf und Berlin-Tegel gegen die Lufthansa zu konkurrieren. Die hohen Integrationskosten und der Betrieb unterschiedlicher Flugzeugtypen von Boeing und Airbus belasteten die Bilanz über Jahre hinweg existenziell.

Einstieg und Rückzug von Etihad Airways

Ab 2011 versuchte die arabische Etihad Airways, die Fluggesellschaft durch eine Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zu stabilisieren und als Zubringer für das eigene Drehkreuz in Abu Dhabi zu nutzen. Trotz wiederholter Kapitalspritzen und der Ausgliederung des Vielfliegerprogramms Topbonus an den Partner konnte der chronische Cash-Burn nicht gestoppt werden. Als die staatliche Airline der Emirate im August 2017 nach anhaltenden Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe die finanzielle Unterstützung endgültig einstellte, blieb nur der Gang zum Amtsgericht Charlottenburg.

Insolvenz im Schatten des BER-Debakels

Unter der Leitung des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus und des Sachwalters Lucas Flöther wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt, gestützt durch einen staatlichen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Der Flugbetrieb wurde künstlich aufrechterhalten, um die wertvollen Start- und Landerechte nicht verfallen zu lassen und die Verhandlungsposition gegenüber Käufern zu sichern. Am 27. Oktober 2017 landete schließlich mit Flug AB6210 von München nach Berlin-Tegel die letzte Maschine der traditionsreichen Airline.

Zerschlagung der Flotte und Transfer von 8.000 Angestellten

Die Lufthansa-Gruppe sicherte sich im Rahmen der Abwicklung große Teile der Tochtergesellschaften LGW und Niki sowie einen signifikanten Anteil der Airbus-Flotte für ihre Tochter Eurowings. Die britische Easyjet übernahm für rund 40 Millionen Euro Standorte und Slots am Flughafen Tegel, um ihre Präsenz in der deutschen Hauptstadt massiv auszubauen. Rund 8.000 Mitarbeiter verloren ihre Anstellung bei der Muttergesellschaft, wobei viele Piloten und Kabinenkräfte in Transfergesellschaften oder bei den Nachfolge-Airlines unterkamen.