Größte Pleiten · Nr. 26

Air Berlin (Ergänzung)

Nach jahrelanger Sponsoring durch Etihad blieb die Airline unrentabel; Lufthansa und Easyjet übernahmen Teile, tausende Mitarbeiter verloren ihren Job.

Vom Ferienflieger zur chronisch defizitären Lufthansa-Rivalin

Die einstige Erfolgsgeschichte der Air Berlin unter Joachim Hunold wandelte sich durch eine aggressive Expansionsstrategie und teure Zukäufe wie dba und LTU in eine finanzielle Sackgasse. Trotz der massiven Kapitalzufuhren durch den Großaktionär Etihad Airways gelang es der Berliner Fluggesellschaft nie, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zwischen Billigflieger und Netzwerk-Carrier zu etablieren. Massive Verschuldung und operative Verluste prägten bereits Jahre vor dem endgültigen Aus die Bilanz der Airline.

Der dramatische Sommer 2017 und das Ende der Etihad-Garantien

Am 15. August 2017 reichte Air Berlin beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung ein, nachdem Etihad die weitere finanzielle Unterstützung überraschend eingestellt hatte. Ein Übergangskredit des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro sicherte den Flugbetrieb über die verkehrsreiche Ferienzeit hinweg kurzfristig ab. Unter der Führung des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus und des Sachwalters Lucas Flöther begann die Zerschlagung des hoch verschuldeten Konzerns.

Zerschlagung zwischen Frankfurt und Berlin-Tegel

In einem komplexen Bieterverfahren sicherte sich die Lufthansa weite Teile der Flotte sowie die Tochtergesellschaften LG Walter und Niki, während der britische Konkurrent Easyjet den Betrieb am wichtigen Standort Berlin-Tegel übernahm. Die technische Wartungseinheit Air Berlin Technik wurde an ein Konsortium aus dem Logistiker Zeitfracht und der Wartungsfirma Nayak veräußert. Der letzte kommerzielle Flug unter der Flugnummer AB6210 landete am 27. Oktober 2017 emotional unter Wasserfontänen am Flughafen Tegel.

Verlust tausender Arbeitsplätze und das langwierige Nachspiel

Von der Insolvenz waren rund 8.000 Mitarbeiter betroffen, für die trotz intensiver Verhandlungen keine schützende Transfergesellschaft eingerichtet werden konnte. Insbesondere das Bodenpersonal und die Verwaltung an den Standorten Berlin und Düsseldorf standen nach der Einstellung des Flugbetriebs vor der Entlassung. Die Abwicklung der Insolvenzmasse zieht sich bis heute hin, wobei Gläubigerforderungen in Milliardenhöhe gegen das verbliebene Vermögen und Schadensersatzansprüche gegen Etihad geltend gemacht werden.