Größte Pleiten · Nr. 03

Babcock Borsig (2002)

Ein bis dahin geachteter Anlagenbauer aus Oberhausen — verspekuliert am Hoffnungsträger Brennstoffzelle und an einer chaotischen Beteiligungspolitik. 22.000 Beschäftigte weltweit verloren ihre wirtschaftliche Grundlage.

Der dramatische Absturz der Oberhausener Industriesäule

Die Babcock Borsig AG, deren Wurzeln tief in der Industriegeschichte von Oberhausen verankert waren, galt zur Jahrtausendwende als einer der bedeutendsten Akteure im internationalen Kraftwerksbau. Mit dem strategischen Ziel, den Konzern vom klassischen Stahlgeschäft hin zu einem effizienten Technologie-Dienstleister umzubauen, übernahm sich der Vorstand unter Führung von Klaus Lederer jedoch grundlegend. Die ambitionierten Wachstumspläne führten dazu, dass das Unternehmen im Juli 2002 schließlich einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit stellen musste.

Brennstoffzellen-Fantasie und das HDW-Debakel

Zwei zentrale Fehlentscheidungen beschleunigten den finanziellen Verfall der Holding am Standort an der Duisburger Straße. Zum einen investierte das Management massiv in die damals als revolutionär geltende Brennstoffzellentechnologie, die jedoch nicht die erhofften schnellen Markterfolge und Cashflows lieferte. Parallel dazu sorgte die komplexe Übernahme der Kieler Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) für enorme Liquiditätsprobleme, da die wirtschaftlichen Risiken dieses Geschäftsfeldes deutlich unterschätzt wurden.

Horst Piepenburg und die Zerschlagung des Konzerns

Nach dem Zusammenbruch wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Horst Piepenburg als Insolvenzverwalter bestellt, der eine der komplexesten Abwicklungen der deutschen Industriegeschichte koordinieren musste. Da eine Gesamtlösung für den Konzern nicht realisierbar war, wurden lukrative Bereiche wie der Bereich Dienstleistung und Montage sowie die Kraftwerkstechnik einzeln veräußert. Prominente Käufer waren unter anderem die Bilfinger Berger AG, die sich das lukrative Power-Service-Geschäft sicherte, und der japanische Konzern Hitachi Power Systems.

Folgen für die Belegschaft im Ruhrgebiet

Die Insolvenz betraf weltweit rund 22.000 Mitarbeiter, wobei die Auswirkungen besonders im westlichen Ruhrgebiet und an den Standorten in Essen und Oberhausen schmerzhaft zu spüren waren. Hunderte Zulieferbetriebe gerieten durch den Wegfall der Aufträge ebenfalls in existenzielle Not, was die Krise weit über die Werkstore hinaus trug. Heute erinnern vor allem die umfunktionierten Industriegelände in Oberhausen an die einstige Dominanz des Unternehmens in der Branche.