Größte Pleiten · Nr. 28

Beate Uhse AG (Ergänzung)

Nach dem Wandel der Konsumgewohnheiten und harter Online-Konkurrenz Insolvenz — Ende einer der bekanntesten Nachkriegsmarken.

Vom Versandhauspionier zum Sanierungsfall der Online-Ära

Die Beate Uhse AG, deren Grundstein 1946 mit dem Versand von Ratgebern in Flensburg gelegt wurde, scheiterte letztlich an der verschleppten Digitalisierung des Geschäftsmodells. Während das Unternehmen in den 1990er Jahren mit der Eröffnung großer Erotik-Megastores bundesweit expandierte, unterschätzte das Management die Geschwindigkeit, mit der kostenlose Internetangebote den klassischen Katalog- und Ladeneinzelhandel verdrängten. Der Versuch, sich als Lifestyle-Marke neu zu positionieren, konnte die massiven Umsatzverluste im Kerngeschäft mit Film- und Printmedien nicht mehr auffangen.

Der fatale Liquiditätsengpass im Dezember 2017

Kurz vor Weihnachten 2017 sah sich die Konzernmutter gezwungen, beim Amtsgericht Flensburg einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung zu stellen, nachdem Verhandlungen über eine dringend benötigte Brückenfinanzierung gescheitert waren. Vorausgegangen war ein jahrelanger Abwärtstrend, bei dem die Verbindlichkeiten aus einer im Jahr 2014 begebenen 30-Millionen-Euro-Anleihe schwer auf dem Unternehmen lasteten. Zum Zeitpunkt des Antrags war die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit durch die hohen Zinslasten und sinkende Margen nahezu vollständig aufgezehrt.

Zerschlagung und die Rolle von Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz

Rechtsanwalt Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case wurde zum Sachwalter bestellt und steuerte den Verkaufsprozess der verschiedenen Unternehmensbestandteile. Im Rahmen der Zerschlagung sicherte sich der niederländische Konkurrent EDC Retail das operative Geschäft rund um die Markenrechte und den Onlineshop, während das Filialnetz stark reduziert wurde. Die ehemals stolze Konzernzentrale in Flensburg verlor ihre Funktion, da die wesentlichen Logistik- und Verwaltungsaufgaben ins Ausland verlagert oder eingestellt wurden.

Drastischer Stellenabbau an der Flensburger Förde

Der Niedergang traf vor allem die Standorte in Flensburg und Mörfelden-Walldorf, wo zahlreiche Arbeitsplätze in der Logistik und Verwaltung gestrichen wurden. Von den ehemals rund 345 Beschäftigten in der deutschen Holding blieb nach der Übernahme durch die Niederländer nur ein Bruchteil übrig, da Synergieeffekte konsequent genutzt wurden. Heute existiert der Name Beate Uhse zwar als Onlinemarke weiter, hat jedoch seine eigenständige unternehmerische Substanz als börsennotiertes deutsches Unternehmen vollständig verloren.