Traditionelle Schuhkette aus Hamburg; nach mehreren Sanierungen endgültig gescheitert.
Vom Hamburger Traditionshaus zur Sanierungsfalle
Die 1875 von Ludwig Görtz in Hamburg-Barmbek gegründete Ludwig Görtz GmbH galt über Jahrzehnte als Inbegriff des gehobenen Schuhhandels in deutschen Innenstädten. Das Unternehmen expandierte auf über 160 Filialen in Deutschland und Österreich, sah sich jedoch durch die Corona-Pandemie und die darauf folgende Kaufzurückhaltung infolge des Ukraine-Krieges massiven Liquiditätsproblemen ausgesetzt. Im September 2022 suchte die Kette schließlich Rettung in einem Schutzschirmverfahren.
Strukturkrise und gescheiterter Sanierungsplan
Unter der Führung von Sanierungsexperte Sven Tischewitsch und dem Sachwalter Friedrich von Kaltenborn-Stachau sollte das Unternehmen durch eine massive Verkleinerung der Verkaufsflächen gerettet werden. Trotz der Schließung zahlreicher unrentabler Standorte und dem Abbau von mehreren hundert der ursprünglich etwa 1.800 Arbeitsplätze blieben die Umsätze hinter den Erwartungen zurück. Ein ursprünglich geplanter Investor sprang im Frühjahr 2023 kurz vor dem Abschluss ab, was die Situation dramatisch zuspitzte.
Die Übernahme durch CK Technology Group
Im Juni 2023 wurde bekannt, dass der Wiener IT-Unternehmer Bolko Kissling mit seiner CK Technology Group als neuer Eigentümer bei Görtz einsteigt. Die Übernahme markierte den offiziellen Abschluss des Insolvenzverfahrens und sollte den Fortbestand der Marke sichern. Der Fokus verschob sich dabei deutlich weg vom reinen Filialgeschäft hin zu einer stärkeren Verzahnung mit digitalen Vertriebswegen.
Radikale Flurstückbereinigung in deutschen Top-Lagen
Das ehemals flächendeckende Netz wurde auf rund 40 Standorte zusammengestrichen, wobei prominente Filialen wie das Flaggschiff in der Hamburger Spitalerstraße oder das Haus am Roßmarkt in Frankfurt am Main aufgegeben wurden. Die Zerschlagung des einstigen Imperiums führte dazu, dass Görtz aus vielen Mittelstädten komplett verschwand und sich heute primär auf Kernstandorte in Metropolen konzentriert. Der Verlust der Marktführerschaft im Premium-Segment gilt als eines der deutlichsten Zeichen für den Strukturwandel im stationären Textileinzelhandel.