Größte Pleiten · Nr. 05

Grundig (2003)

Nach 1945 die deutsche Marke für Radios und Fernseher schlechthin — dann von japanischer und südkoreanischer Konkurrenz überrollt. 2003 Insolvenz, Marke verkauft; heute wird Grundig als Label u. a. von der türkischen Arçelik-Gruppe verwendet.

Vom Wirtschaftswunder-Radio zum globalen Preiskampf

Max Grundig baute in Fürth ein Imperium auf, das mit dem Heinzelmann-Radio und dem Fernseher Zauberspiegel die deutschen Wohnzimmer der Nachkriegszeit dominierte. Doch ab den 1980er Jahren geriet das Unternehmen durch die technologische Aufholjagd japanischer Firmen wie Sony und später südkoreanischer Anbieter unter massiven Margendruck. Trotz einer zeitweisen Beteiligung von Philips gelang es der fränkischen Traditionsmarke nicht, die hohen Produktionskosten in Deutschland mit den sinkenden Marktpreisen für Röhrengeräte in Einklang zu bringen.

Finanzieller Kollaps unter der Führung von Anton Kathrein

In den Jahren vor der Insolvenz versuchten verschiedene Konsortien, den Abstieg zu bremsen, wobei der Antennenspezialist Anton Kathrein als starker Mann im Aufsichtsrat agierte. Im April 2003 musste die Grundig AG schließlich beim Amtsgericht Fürth Insolvenz anmelden, da die Verhandlungen mit potenziellen Investoren wie dem türkischen Unternehmen Beko und dem britischen Finanzinvestor Alba gescheitert waren. Zu diesem Zeitpunkt drückten das Unternehmen Schulden in dreistelliger Millionenhöhe, während die Banken weitere Kreditzusagen verweigerten.

Das bittere Ende für die Standorte Fürth und Nürnberg

Insolvenzverwalter Siegfried Beck stand vor der Aufgabe, die Reste eines Konzerns zu retten, der einst über 28.000 Menschen beschäftigt hatte. Zum Zeitpunkt der Pleite im Jahr 2003 waren noch rund 3.500 Mitarbeiter direkt betroffen, deren Arbeitsplätze in den Stammwerken in Fürth und Nürnberg-Langwasser zur Disposition standen. Während die prestigeträchtige TV-Sparte zunächst keine Käufer fand, konnten Teilbereiche wie die Bürogeräte (Grundig Business Systems) und die Satellitentechnik in eigenständigen Gesellschaften fortgeführt werden.

Zerschlagung und Verkauf der Markenrechte in die Türkei

Das Herzstück des Unternehmens, die Unterhaltungselektronik, wurde schließlich zerschlagen und die Markenrechte gingen 2004 an ein Konsortium aus dem türkischen Beko-Konzern und dem britischen Unternehmen Alba. Später übernahm die Arçelik-Gruppe, die zum türkischen Koç-Holding-Konglomerat gehört, die vollständige Kontrolle über die Marke Grundig. Heute werden unter dem Namen Grundig vor allem Haushaltsgeräte und Fernseher vertrieben, deren technologische Entwicklung und Produktion jedoch kaum noch Bezug zum ursprünglichen fränkischen Innovationszentrum haben.