Größte Pleiten · Nr. 33

Hertie

Kaufhauskette; die Insolvenz beschleunigte die Krise des klassischen Warenhauses in Deutschland.

Vom Karstadt-Ableger zum Rettungsversuch durch Dawnay Day

Ursprünglich Teil des Karstadt-Konzerns, wurde Hertie im Jahr 2005 durch die britische Investmentgesellschaft Dawnay Day übernommen. Ziel war die Revitalisierung von 73 kleineren bis mittelgroßen Standorten, die unter den Namen Karstadt Kompakt firmierten und später unter der Traditionsmarke Hertie neu geordnet wurden. Die Strategie basierte auf einer Trennung von Immobilieneigentum und operativem Einzelhandel, was sich als existenzbedrohende Belastung für die Geschäftszahlen herausstellen sollte.

Mietlasten und der Kollaps des britischen Investors

Die Insolvenz der Muttergesellschaft Dawnay Day im Jahr 2008 entzog Hertie die finanzielle Basis, während gleichzeitig extrem hohe Mietzahlungen die Liquidität des Einzelhändlers aufzehrten. Da die Immobilien an Tochtergesellschaften der Dawnay-Day-Gruppe veräußert worden waren, fehlte Hertie der Spielraum für nötige Preisnachlässe oder Sanierungsinvestitionen. Am 31. Juli 2008 musste das Unternehmen beim Amtsgericht Essen den Antrag auf Insolvenz stellen.

Birculs vergebliche Suche nach einem Gesamtkäufer

Insolvenzverwalter Biner Bähr von der Kanzlei White & Case versuchte über Monate hinweg, einen Investor für das gesamte Filialnetz zu finden. Obwohl Namen wie die Rewe-Gruppe oder die Warenhauskette Karstadt als Interessenten für Teilflächen gehandelt wurden, scheiterten die Verhandlungen an den komplexen Eigentumsverhältnissen der Immobilien. Am 20. Mai 2009 verabschiedete der Gläubigerausschuss schließlich die Liquidation des Unternehmens, da kein tragfähiges Fortführungskonzept vorlag.

Filialschließungen von Berlin bis Delmenhorst

Die endgültige Zerschlagung führte bis August 2009 zur Schließung von rund 50 verbliebenen Standorten, darunter Häuser in Berlin-Neukölln, Hamburg-Bergedorf, Delmenhorst und Peine. Rund 3.400 Mitarbeiter verloren durch das Ende der Kaufhauskette ihre Arbeitsplätze, was in vielen Mittelstädten zu massiven Leerständen in den Innenstädten führte. Einige Standorte wurden später von Filialisten wie Textil-Discountern oder Drogeriemärkten übernommen, während andere Gebäude jahrelang als Bauruinen das Stadtbild prägten.