Größte Pleiten · Nr. 07

Holzmann (2002)

Kanzler Schröder rettete den Baukonzern Philipp Holzmann 1999 medienwirksam mit Bundes-Bürgschaften — nur drei Jahre später folgte doch die Insolvenz. Die „Chefsache” wurde zur Chiffre für gescheiterte Symbolpolitik.

Der dramatische Kollaps des Frankfurter Bauriesen

Im März 2002 endete die über 150-jährige Geschichte der Philipp Holzmann AG, als der Vorstand unter Heinrich Binder endgültig den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt am Main stellte. Trotz der spektakulären Rettungsaktion durch Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 1999, die mit einer Bundesbürgschaft in Höhe von 150 Millionen D-Mark orchestriert wurde, konnte der strukturelle Verfall nicht gestoppt werden. Das Unternehmen, das einst prestigeträchtige Projekte wie den Bagdad-Bahngalopp realisierte, wurde schließlich zum Sinnbild für das Scheitern staatlicher Industriepolitik.

Milliardenverluste durch Altlasten und Fehlkalkulationen

Die Ursachen für den Niedergang lagen tief in der Bilanz versteckt, insbesondere durch ungedeckte Risiken im Immobiliengeschäft der 1990er Jahre. Eine existenzbedrohende Lücke von rund 2,4 Milliarden D-Mark, die durch massive Abschreibungen auf Grundstücke und Beteiligungen entstand, zog dem Konzern die Liquidität ab. Interne Kontrollmechanismen versagten völlig, während die Baukrise in Deutschland nach dem Nachwende-Boom die Margen im Kerngeschäft zusätzlich massiv unter Druck setzte.

Dr. Ottmar Hermann und die Zerschlagung des Imperiums

Der renommierte Insolvenzverwalter Dr. Ottmar Hermann übernahm die schwierige Aufgabe, die Reste des weit verzweigten Konzerns zu verwerten. Da keine Gesamtlösung für die Gruppe gefunden wurde, erfolgte eine Zerschlagung in einzelnen Sparten und Regionalgesellschaften. Lukrative Teile wie die Tochtergesellschaften im Ausland oder spezialisierte Serviceeinheiten wurden veräußert, während der traditionsreiche Markenname Holzmann vom Markt verschwand.

Folgen für zehntausende Beschäftigte bundesweit

Die Pleite traf rund 25.000 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 10.000 direkt in Deutschland, mit voller Härte. Betroffen waren nicht nur die Hauptverwaltung in Frankfurt, sondern zahlreiche Standorte und Baustellen quer durch die Republik. Während einige Fachkräfte in die Auffanggesellschaften oder zu Konkurrenten wie Hochtief oder Bilfinger Berger wechselten, verloren viele langjährige Angestellte endgültig ihre berufliche Heimat.