Aus Karstadt/Quelle wurde 2007 die Arcandor AG geformt — zwei Jahre später Insolvenz. Über 50.000 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Karstadt wurde mehrfach weitergereicht (Berggruen, Signa/Benko) und ist heute unter Galeria noch ein Schatten seiner selbst.
Vom Traditionskonzern zur riskanten Arcandor-Konstruktion
Die Krise des einstigen Warrenhaus-Riesen Karstadt-Quelle wurzelt in der strategischen Neuausrichtung unter dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff, der 2007 die Umbenennung in Arcandor forcierte. Durch den Verkauf zahlreicher Warenhaus-Immobilien an das Highstreet-Konsortium verlor der Konzern den Zugriff auf seine Substanz und sah sich fortan mit massiv steigenden Mietzahlungen konfrontiert. Diese Fixkostenbelastung wurde zur tödlichen Falle, als die Umsätze im stationären Handel und im Versandgeschäft der Marke Quelle zeitgleich einbrachen.
Der dramatische Juni 2009 und das Erbe von Quelle
Am 9. Juni 2009 musste die Arcandor AG beim Amtsgericht Essen den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen, nachdem die Bundesregierung Staatshilfen für den angeschlagenen Riesen abgelehnt hatte. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg stand vor der Herkulesaufgabe, ein Geflecht aus über 50.000 Arbeitsplätzen und markanten Standorten wie dem KaDeWe in Berlin zu retten. Während für Karstadt eine Fortführungslösung gesucht wurde, bedeutete das Scheitern von Arcandor im Oktober 2009 das endgültige Aus für das Versandhaus Quelle in Fürth.
Die Ära Berggruen und der Einstieg von Signa
Im Jahr 2010 übernahm der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen die Warenhauskette für den symbolischen Preis von einem Euro und versprach eine umfassende Sanierung. Die erhofften Investitionen blieben jedoch weitgehend aus, was die Substanz der Warenhäuser in Städten wie Hamburg, Köln und München weiter schwächte. Ab 2012 sicherte sich die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko zunächst die prestigeträchtigen Immobilien und übernahm schließlich 2014 das gesamte operative Geschäft von Karstadt.
Zerschlagung und das Ende einer Warenhaus-Epoche
Die Zerschlagung des Arcandor-Konstrukts führte dazu, dass lukrative Töchter wie der Reisekonzern Thomas Cook und der Sportartikler Karstadt Sports eigene Wege gehen mussten oder abgewickelt wurden. Die spätere Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof unter dem Dach von Galeria konnte den Abwärtstrend der Branche nicht stoppen und führte zu weiteren Wellen von Filialschließungen. Heute ist von der einstigen Marktmacht der Essener Konzernzentrale nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Standorte und Belegschaft übrig geblieben.