Die Karstadt-Kette (später Galeria) hat mehrere Insolvenzverfahren durchlaufen; jedes Verfahren reduzierte das Filialnetz.
Vorgeschichte: Der Zusammenbruch des Arcandor-Konzerns 2009
Die Krise des Warenhausgiganten begann offiziell mit der Insolvenz der Dachgesellschaft Arcandor im Juni 2009. Unter der Leitung des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg wurde Karstadt aus der zerfallenden Gruppe herausgelöst, während die Versandtochter Quelle liquidiert wurde. Im Jahr 2010 übernahm der Investor Nicolas Berggruen für den symbolischen Preis von einem Euro die Kette und sicherte zunächst den Erhalt der Arbeitsplätze zu.
Fusion unter René Benko und die Signa-Ära
Nachdem Berggruen die Erwartungen nicht erfüllen konnte, übernahm der österreichische Immobilieninvestor René Benko mit seiner Signa-Holding 2014 das Ruder. Zur Konsolidierung verschmolz er die traditionsreichen Konkurrenten Karstadt und Kaufhof im Jahr 2018 zu einem gemeinsamen Warenhausriesen namens Galeria Karstadt Kaufhof. Diese Phase war geprägt von strategischen Neuausrichtungen und dem Versuch, die Synergien beider Häuser zu nutzen, was jedoch durch immense Mietzahlungen an Signa-eigene Immobilienfirmen belastet wurde.
Schutzschirmverfahren während der Corona-Pandemie 2020
Im April 2020 suchte das Unternehmen unter Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Rettung in einem ersten Schutzschirmverfahren, nachdem die monatelangen Lockdowns den stationären Handel zum Erliegen brachten. In diesem Zuge wurden über 40 Filialen geschlossen und rund 4.000 Stellen gestrichen, während der Staat mit Millionenhilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond eingriff. Trotz einer staatlichen Stützung von insgesamt rund 680 Millionen Euro zwangen steigende Energiekosten und Konsumflaute den Konzern Ende 2022 erneut in ein Insolvenzverfahren.
Der finale Bruch mit Signa und Neustart 2024
Die Insolvenz der Signa-Gruppe im Herbst 2023 zog Galeria Anfang 2024 in den dritten Strudel innerhalb weniger Jahre, woraufhin Stefan Denkhaus als Insolvenzverwalter bestellt wurde. Im Zuge dieses Verfahrens wurde die Trennung von den ruinösen Strukturen Benkos vollzogen und ein neues Konsortium aus Richard Baker und der NRDC Equity Partners als Käufer präsentiert. Das Filialnetz schrumpfte dabei auf rund 90 Standorte zusammen, wobei prominente Häuser wie in Berlin-Spandau oder Mainz auf der Streichliste landeten.
Folgen für Standorte und Belegschaft
Die jahrelange Schrumpfkur reduzierte die einstige Mitarbeiterzahl von über 25.000 im Jahr 2020 auf etwa 12.000 Beschäftigte nach dem Verfahren von 2024. In Städten wie Essen oder Köln markiert das Verschwinden der Galeria-Schilder das Ende einer Ära in den Fußgängerzonen. Für die verbleibenden Standorte setzt die neue Führung auf eine stärkere regionale Ausrichtung und die Modernisierung der Verkaufsflächen.