Größte Pleiten · Nr. 09

Kettler (2018)

Der Ense-Parsit-Konzern ging an der Kombination aus günstiger asiatischer Konkurrenz und schlecht laufender Diversifikation zugrunde. Die Marke lebt in verschiedenen Nachfolge-Lizenzen weiter (Kettler Alu-Rad, Fitnessgeräte).

Chronischer Cashflow-Mangel und gescheiterte Repositionierung

Nach dem Tod des Gründungs-Pioneers Heinz Kettler im Jahr 2005 geriet das Traditionsunternehmen aus Ense-Parsit unter der Führung seiner Tochter Karin Kettler zunehmend in eine strukturelle Schieflage. Trotz der starken Bekanntheit von Produkten wie dem Kettcar oder dem Alu-Rad gelang es dem Management nicht, gegen die Preisaggressivität asiatischer Importeure und die veränderten Vertriebswege im Onlinehandel zu bestehen. Die Diversifikation in zu viele Segmente verbrauchte die Liquidität, während notwendige Investitionen in die Modernisierung der Fertigung im Sauerland ausblieben.

Die Abwärtsspirale der drei Insolvenzverfahren

Der Juli 2018 markierte den Beginn des dritten Insolvenzverfahrens innerhalb von nur drei Jahren, nachdem bereits 2015 ein Schutzschirmverfahren und 2017 eine erneute Zahlungsunfähigkeit gemeldet worden waren. Während das erste Verfahren noch der Abwehr einer feindlichen Übernahme durch den Investor Carlyle diente, fehlte 2018 die Perspektive für einen nachhaltigen Turnaround. Die Komplexität der Konzernstruktur mit Standorten in Ense und Werl erschwerte die Sanierungsbemühungen des Sachwalters unter dem massiven Kostendruck signifikant.

Das endgültige Aus für die Kernproduktion in Ense

Trotz intensiver Suche des Insolvenzverwalters Christoph Schulte-Kaubrügger nach einem Gesamterwerber scheiterten die Verhandlungen mit potenziellen Investoren im Herbst 2019 endgültig. Ende Januar 2020 wurde die Produktion im Stammwerk Ense-Parsit eingestellt, was den Verlust von rund 400 Arbeitsplätzen bedeutete. Die einst stolze Marke, die in den 1970er Jahren die Freizeitkultur prägte, konnte als operative Einheit nicht mehr gerettet werden und wurde zerschlagen.

Fortbestand durch Lizenzverkauf und Spartentrennung

Die wertvollen Markenrechte wurden im Zuge der Abwicklung getrennt veräußert, wobei die Fahrradsparte bereits vor der finalen Pleite als Kettler Alu-Rad GmbH an die ZEG-Einkaufsgenossenschaft übergegangen war. Die Lizenzrechte für Heimsportgeräte und Gartenmöbel sicherte sich die Schweizer Trisport AG, während die Spielzeugsparte inklusive der Kettcar-Rechte an eine andere Unternehmensgruppe fiel. Heute existiert Kettler nicht mehr als integrierter Hersteller, sondern lediglich als Label für rechtlich unabhängige Lizenznehmer.