Leo Kirchs Medienimperium (u. a. Premiere, ProSiebenSat.1, Rechte für die Fußball-WM) kollabierte an den Zinslasten aus dem Kauf der WM-Rechte 2002/2006. Der berühmt-berüchtigte Deutsche-Bank-„Kreditwürdigkeit”-Kommentar von Rolf Breuer galt vielen als Auslöser.
Der Aufstieg zum Unterföhringer Rechte-Monopolisten
Leo Kirch formte über Jahrzehnte vom Standort Unterföhring aus einen Medienverbund, der den deutschen Fernsehmarkt durch den exklusiven Zugriff auf Hollywood-Blockbuster und Sportrechte kontrollierte. Ende der 1990er Jahre expandierte die Gruppe massiv in das digitale Bezahlfernsehen, wobei die Kirch-Gruppe enorme Kreditschulden bei Instituten wie der Bayerischen Landesbank und der HypoVereinsbank anhäufte. Das strategische Ziel war die vertikale Integration von Inhalten über die KirchMedia und der Verbreitungsplattform Premiere.
Die Zinsfalle durch WM-Rechte und Formel 1
Der finanzielle Kollaps wurde maßgeblich durch die extrem teuren Übertragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie das Engagement in der Formel 1 forciert. Diese Investitionen in Milliardenhöhe ließen sich nicht schnell genug durch Abonnentenzahlen beim defizitären Sender Premiere refinanzieren, was den Cashflow der Gruppe austrocknete. Die Schuldenlast war bis zum Frühjahr 2002 auf geschätzte 6,5 Milliarden Euro angewachsen, da die Zinsverpflichtungen die operativen Erträge bei weitem überstiegen.
Das Breuer-Interview als finaler Brandbeschleuniger
Ein diplomatischer und finanzieller Eklat ereignete sich im Februar 2002, als der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer in einem Bloomberg-Interview öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Zweifel zog. Diese Aussage löste eine fatale Kettenreaktion aus, da Banken begannen, Kreditlinien zu kündigen und Partner sich distanzierten. Leo Kirch machte Breuer und die Deutsche Bank bis zu seinem Lebensende juristisch für den Zusammenbruch seines Lebenswerks verantwortlich.
Insolvenz im April 2002 und Zerschlagung des Imperiums
Am 8. April 2002 meldete die KirchMedia Insolvenz an, kurz darauf folgten die Holding und der Bezahlsender Premiere, wobei Michael Jaffé als Insolvenzverwalter die Abwicklung übernahm. Von der Pleite waren rund 9.500 Arbeitsplätze direkt betroffen, während das Imperium in lukrative Einzelteile zerlegt wurde. Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 wurde schließlich an Investoren um Haim Saban verkauft, während Premiere später als Sky Deutschland eigenständig weiterbestand.