Größte Pleiten · Nr. 13

Metallgesellschaft (1993)

Riskante Ölterminspekulationen in den USA brachten den traditionsreichen Frankfurter Konzern 1993 an den Rand der Existenz. Eine der ersten großen deutschen Derivate-Katastrophen — Rettung durch Deutsche Bank und Dresdner Bank.

Die US-Wettstrategie der MG Refining and Marketing

Die Krise der Metallgesellschaft (MG) nahm ihren Anfang bei der US-Tochtergesellschaft MGRM unter der Leitung von Arthur Benson. Das Unternehmen garantierte amerikanischen Heizölkunden über bis zu zehn Jahre hinweg feste Lieferpreise, während man sich gegen steigende Weltmarktpreise durch kurzfristige Terminkontrakte an der New Yorker Warenbörse NYMEX absicherte. Als die Ölpreise Ende 1993 jedoch massiv fielen, geriet die Strategie aufgrund explodierender Nachschusspfflichten (Margin Calls) in eine dramatische Schieflage.

Liquiditätsschock und der Frankfurter Krisenstab

Im Dezember 1993 wurde das Ausmaß des Desasters in der Frankfurter Konzernzentrale im Reuterweg bekannt, woraufhin Vorstandschef Heinz Schimmelbusch und Finanzvorstand Meinhard Forster fristlos entlassen wurden. Ein Konsortium aus über 100 Banken unter Führung der Deutschen Bank und der Dresdner Bank musste ein Rettungspaket in Höhe von 3,4 Milliarden DM schnüren, um den sofortigen Zusammenbruch des Dax-Konzerns zu verhindern. Der Verlust aus den spekulativen Geschäften summierte sich real auf rund 1,5 Milliarden DM.

Radikale Schrumpfkur unter Kajo Neukirchen

Sanierer Kajo Neukirchen übernahm das Ruder und leitete eine massive Zerschlagung des einstigen stolzen Erzgesellschaft-Konglomerats ein. Traditionsreiche Beteiligungen und Kerngeschäftsfelder wurden veräußert, um die enorme Schuldenlast abzutragen und das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückzugewinnen. Weltweit waren rund 46.000 Mitarbeiter von der darauffolgenden Restrukturierung und den Verkäufen zahlreicher Tochtergesellschaften betroffen.

Vom Rohstoffriesen zur GEA Group

Obwohl die Metallgesellschaft formal nicht in ein Insolvenzverfahren unter einem Insolvenzverwalter ging, glich der Umbau einer Liquidation auf Raten. Nach der Übernahme des Anlagenbauers GEA im Jahr 1999 verlagerte sich der Schwerpunkt weg vom Rohstoffhandel hin zum Spezialmaschinenbau. Im Jahr 2005 verschand der geschichtsträchtige Name Metallgesellschaft endgültig aus dem Handelsregister, als der Konzern in der heute noch existierenden GEA Group AG aufging.