Größte Pleiten · Nr. 36

Metallgesellschaft AG

Ölterminspekulationen der US-Tochter brachten den Mischkonzern an den Rand des Ruins; Rettung mit Bankenpaket.

Riskante Roll-Strategien bei MGRM in New York

Die durch Heinz Schimmelbusch vorangetriebene Expansion der Metallgesellschaft stieß 1993 auf ein massives Problem bei der US-Tochter MG Refining & Marketing. Das Unternehmen verkaufte langjährige Lieferverträge für Heizöl und Benzin zu festen Preisen an amerikanische Kunden und sicherte diese durch kurzfristige Terminkontrakte ab. Als die Ölpreise entgegen der Erwartung fielen, konnten die Gewinne aus den physischen Verkäufen die sofort fälligen Margenzahlungen für die fallenden Terminkontrakte nicht mehr decken.

Liquiditätsabfluss und der Notverkauf durch Bankenmacht

Ende 1993 geriet der Frankfurter Konzern in eine existenzbedrohende Schieflage, als ein Liquiditätsbedarf von 1,5 Milliarden DM für die spekulativen Positionen offenbar wurde. Unter der Führung der Deutschen Bank wurde das Management um Schimmelbusch entlassen und durch Kajo Neukirchen ersetzt, der einen radikalen Sanierungskurs einschlug. Ein Konsortium aus über 100 Banken verhinderte mit einem Rettungspaket in Höhe von 3,4 Milliarden DM den unmittelbaren Kollaps des Traditionsunternehmens.

Zerschlagung des Frankfurter Traditionskonzerns

Um die enormen Schuldenlasten zu bewältigen, wurde die Metallgesellschaft in den Folgejahren systematisch zerlegt und Filetstücke wie die Dynamit Nobel AG verkauft. Der ehemals breit aufgestellte Mischkonzern mit Schwerpunkten im Rohstoffhandel und Anlagenbau verlor seine Unabhängigkeit und wurde schließlich im Jahr 2000 in die mg technologies ag umgewandelt. Am historischen Stammsitz in Frankfurt am Main sowie an internationalen Standorten gingen durch die Restrukturierung tausende Arbeitsplätze verloren.

Vom Rohstoff-Riesen zum Grundstein der GEA Group

Nach dem endgültigen Abschied vom Rohstoffhandel konzentrierte sich das Rumpfunternehmen auf den Spezialmaschinenbau und den Anlagenbau durch die Tochter Lurgi. Im Jahr 2005 erfolgte die Umbenennung in GEA Group AG, womit der Name Metallgesellschaft endgültig aus dem deutschen Aktienindex verschwand. Die rechtlichen Aufarbeitungen der Spekulationsverluste und die Debatte über das Handeln der Banken prägten die deutsche Wirtschaftsgeschichte über ein Jahrzehnt.