Größte Pleiten · Nr. 14

Möbelhaus SBK-Sconto/Steinhoff Europe (2018 ff.)

Der südafrikanische Steinhoff-Konzern (Poco, Conforama) fiel 2017/18 einem Bilanzskandal zum Opfer; die Auswirkungen trafen deutsche Töchter und Lieferanten in Serie.

Der Bilanzskandal am Westersteder Stammsitz

Die Krise der Steinhoff International Holdings, die ihre europäische Zentrale im niedersächsischen Westerstede führt, eskalierte im Dezember 2017 durch massive Unregelmäßigkeiten in der Rechnungslegung. Über Jahre hinweg waren Vermögenswerte künstlich aufgebläht und Transaktionen mit Partnerunternehmen verschleiert worden, was zu einem Marktwertverlust von über zehn Milliarden Euro führte. Der Rücktritt von CEO Markus Jooste markierte den Beginn einer beispiellosen Restrukturierung, die das gesamte Geflecht aus Möbelhäusern und Logistikstandorten in existenzielle Not brachte.

Verkaufswellen bei Poco und kriselnde SB-Märkte

Um die immensen Schuldenlasten zu bedienen, musste sich Steinhoff im Jahr 2018 von profitablen deutschen Kernmarken trennen. Der Discounter-Riese Poco wurde in diesem Zuge vollständig an den österreichischen Konkurrenten XXXLutz übertragen, womit Steinhoff seinen dominierenden Zugriff auf den deutschen Mitnehmermarkt verlor. Gleichzeitig gerieten die Strukturen der SBK/Sconto-Schiene unter Druck, da Kreditversicherer die Warenlieferungen für die unternehmenseigenen Standorte an Orten wie Berlin-Mahlsdorf oder Dresden nur noch restriktiv absicherten.

Zerschlagung der europäischen Steinhoff-Assets

Die geplante Sanierung mündete in einer schrittweisen Desinvestition, bei der bis 2019 weite Teile von Steinhoff Europe liquidiert oder veräußert wurden. Während die französische Tochter Conforama infolge massiver Verluste und Streichungen hunderter Stellen restrukturiert wurde, verlor die Konzernzentrale in Westerstede ihre Funktion als strategisches Zentrum für den europäischen Kontinentalmarkt. Die Gläubiger übernahmen im Rahmen von komplexen Vergleichsvereinbarungen die Kontrolle, was faktisch das Ende der Ära Steinhoff als Familienimperium bedeutete.

Auswirkungen auf Beschäftigte und Lieferketten

Von der Zerschlagung und dem Bilanzbeben waren allein im europäischen Raum zeitweise über 50.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen. Zahlreiche mittelständische Möbelzulieferer aus der Region Ostwestfalen-Lippe gerieten in Mitleidenschaft, da Forderungen im Zuge der finanziellen Neuordnung eingefroren wurden. Trotz der Übernahme vieler Standorte durch Wettbewerber führten Standortbereinigungen und Zentralisierungen zu einem signifikanten Verlust an regionalen Verwaltungsjobs in Niedersachsen.