Größte Pleiten · Nr. 37

MobilCom (WWA)

UMTS-Frühphase; nach den irrsinnigen Lizenz-Auktionen 2000 folgte die harte Landung — MobilCom brach zusammen, Gerhard Schmid wurde entlassen.

Größenwahn im UMTS-Bietverfahren 2000

Der Untergang von MobilCom begann mit der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen im Jahr 2000, bei der das Unternehmen unter Gründer Gerhard Schmid rund 16,5 Milliarden D-Mark aufbot. Dieser astronomische Betrag überforderte die Finanzkraft des Büdelsdorfer Unternehmens massiv, da zeitgleich ein milliardenschwerer Netzausbau finanziert werden musste. Der strategische Partner France Télécom, der die Expansion stützte, geriet angesichts der explodierenden Kosten und der folgenden Dotcom-Krise zunehmend auf Distanz.

Der Bruch zwischen Schmid und France Télécom

Im Frühjahr 2002 eskalierte der Konflikt zwischen dem visionären Gründer Gerhard Schmid und den französischen Großaktionären über die weitere Finanzierung des operativen Geschäfts. France Télécom verweigerte weitere Zahlungen, woraufhin Schmid im Juni 2002 auf Druck des Aufsichtsrats seinen Posten räumen musste. Die folgende Liquiditätskrise brachte den Konzern mit seinen damals rund 5.000 Mitarbeitern an den Rand des totalen Zusammenbruchs.

Rettungspaket und die Abwicklung der MobilCom Multimedia

Um die Insolvenz der gesamten Gruppe zu verhindern, wurde im Herbst 2002 ein komplexes Rettungspaket unter Beteiligung der Bundesregierung geschnürt, das staatliche Bürgschaften vorsah. Während das Kerngeschäft als Service-Provider überlebte, musste die Tochtergesellschaft MobilCom Multimedia GmbH Insolvenz anmelden und der teure Aufbau eines eigenen Netzes wurde gestoppt. In Büdelsdorf und an anderen Standorten fielen im Zuge der Sanierung rund 1.850 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer.

Fusion mit Freenet und das Ende der Ära Schmid

Nach der Abwendung der Pleite und dem Rückzug von France Télécom wurde das verbliebene Geschäft stabilisiert und später im Jahr 2007 mit der Tochtergesellschaft Freenet fusioniert. Gerhard Schmid, der einst als Rebell der Branche galt, verlor endgültig seinen Einfluss und musste zudem langjährige juristische Auseinandersetzungen über Schadenersatzforderungen führen. Die Marke MobilCom ging schließlich in der Marke mobilcom-debitel auf, bevor diese vollständig in der Freenet AG verschmolz.