Neben Quelle das zweite große Frankfurter Katalog-Kaufhaus-Symbol. Aus Käuferland Deutschland wurde Verlierergrund, als Amazon ab Mitte der 2000er den Katalog obsolet machte. Die Übernahme durch Sun Capital konnte die Schrumpfung nicht mehr aufhalten.
Vom Frankfurter Wirtschaftswunder zum Amazon-Opfer
Die einstige Nummer drei des deutschen Versandhandels scheiterte im Sommer 2012 endgültig an der Transformation vom gedruckten Katalog zum reinen Online-Händler. Während Gründer Josef Neckermann das Unternehmen einst mit dem Slogan „Neckermann macht's möglich“ zur Ikone am Frankfurter Riederwald formte, verlor der Konzern unter dem Investor Sun Capital den Anschluss an Marktführer wie Amazon und Otto. Trotz massiver Personaleinsparungen und einer Fokussierung auf den E-Commerce blieb die Rentabilität aufgrund der hohen Fixkosten im Frankfurter Logistikzentrum aus.
Gescheiterte Sanierung unter Sun Capital
Nach der Trennung vom KarstadtQuelle-Konzern (Arcandor) übernahm der US-Finanzinvestor Sun Capital im Jahr 2008 die Mehrheit, konnte jedoch gegen die sinkenden Umsätze im Textil- und Eigenmarkengeschäft wenig ausrichten. Die Verhandlungen über ein neues Sanierungskonzept und weitere Lohnverzichtsrunden scheiterten im Juli 2012 krachend am Widerstand der Belegschaft und dem mangelnden Vertrauen der Eigner in das Geschäftsmodell. In der Folge stellte die Geschäftsführung am 18. Juli 2012 beim Amtsgericht Frankfurt den Insolvenzantrag für die Neckermann.de GmbH.
Insolvenzverwalter Michael Jaffé und das Aus am Riederwald
Der bekannte Münchner Insolvenzverwalter Michael Jaffé übernahm das Verfahren und suchte monatelang nach einem Investor für den Gesamtbetrieb. Da sich kein Käufer für das Frankfurter Stammhaus und die dazugehörige Logistik fand, wurde die Abwicklung des Traditionsunternehmens zum 1. Oktober 2012 unumgänglich. Rund 2.000 Mitarbeiter am Standort Frankfurt am Main verloren durch die Zerschlagung ihre Anstellung, was das endgültige Ende des markanten Backsteinbaus als Versandzentrum markierte.
Übernahme der Markenrechte durch die Otto Group
Vom einstigen Imperium blieb nach der Zerschlagung lediglich der Kern der Marke Neckermann.de übrig, den sich der Konkurrent Otto aus Hamburg für einen einstelligen Millionenbetrag sicherte. Die Hamburger integrierten den Namen als Web-Plattform in ihr Portfolio, ohne jedoch das alte Personal oder die Infrastruktur in Hessen zu übernehmen. Damit endete die Ära der großen Frankfurter Katalog-Häuser endgültig, da Neckermann das Schicksal des bereits 2009 untergegangenen Konkurrenten Quelle teilte.