Größte Pleiten · Nr. 39

Norddeutsche Landesbank / HSH Nordbank

Nach jahrelangen Schifffahrtsverlusten wurde die HSH Nordbank 2018 als erste deutsche Landesbank an Finanzinvestoren verkauft (heute Hamburg Commercial Bank).

Die Schiffskrise als Ursprung des Beinahe-Kollapses

Die Schieflage der HSH Nordbank war unmittelbar mit dem massiven Engagement im Bereich der Schiffsfinanzierung verknüpft, das nach der globalen Finanzkrise 2008 aufgrund von Überkapazitäten und sinkenden Charterraten kollabierte. Als weltweit größter Schiffsfinanzierer saß das Institut auf einem Portfolio fauler Kredite in Milliardenhöhe, was die Trägerländer Hamburg und Schleswig-Holstein zu beispiellosen Stützungsmaßnahmen zwang. Trotz einer staatlichen Milliarden-Garantie und Kapitalzuführungen konnte die Bank ihre Altlasten über Jahre hinweg nicht aus eigener Kraft bewältigen.

Chronologie des erzwungenen Eigentümerwechsels 2018

Nachdem die EU-Kommission eine Privatisierung als Bedingung für die zuvor erhaltenen Staatshilfen vorschrieb, erfolgte im Februar 2018 der historische Durchbruch bei den Verhandlungen. Ein Konsortium unter Führung der US-Finanzinvestoren Cerberus Capital Management und J.C. Flowers übernahm das Institut für einen Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro. Dieser Schritt markierte das Ende der Ära als öffentlich-rechtliche Landesbank und verhinderte eine drohende Abwicklung durch die Bankenaufsicht.

Stellenabbau und Transformation zur Hamburg Commercial Bank

Die Privatisierung war mit einem drastischen Sparkurs verbunden, der eine Reduzierung der Belegschaft von ehemals über 2.000 Mitarbeitern auf etwa die Hälfte zum Ziel hatte. In der Folge vollzog das Haus im Februar 2019 die Umbenennung in Hamburg Commercial Bank (HCOB) und verlegte seinen Fokus auf gewerbliche Immobilienprojekte sowie ausgewählte Unternehmenskunden. Die Standorte in Hamburg und Kiel blieben erhalten, wurden jedoch konsequent auf Effizienz getrimmt, um den Übergang in den privaten Bankensektor zu vollziehen.

Milliardenverluste für die öffentliche Hand

Für die Steuerzahler in Hamburg und Schleswig-Holstein endete das Kapitel HSH Nordbank mit einer massiven finanziellen Belastung, die auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt wird. Die Länder mussten für die verbliebenen Altbestände in einer sogenannten Abwicklungsanstalt (hsh portfoliomanagement AöR) haften, während die Investoren nur die rentablen Kerngeschäfte übernahmen. Damit gilt dieser Fall als eines der teuersten Debakel in der Geschichte der deutschen Landesbanken.