Größte Pleiten · Nr. 41

Praktiker

Baumarktkette („20 Prozent auf alles“); mehrere Milliarden Verluste, Ende der Marke.

Der aggressive Preiskampf und das '20 Prozent'-Trauma

Die als Ableger des Metro-Konzerns groß gewordene Baumarktkette Praktiker manövrierte sich durch eine Fehlkalkulation im Marketing in die Existenznot. Die im Jahr 2005 gestartete Rabattaktion '20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung' konditionierte Kunden darauf, Einkäufe nur noch während der Aktionswochen zu tätigen, was die Margen massiv zerstörte. Während Konkurrenten wie Hornbach auf Dauertiefpreise setzten, litt Praktiker unter extrem schwankenden Umsätzen und einer chronischen Unterfinanzierung der Standorte.

Die missglückte Sanierung unter Thomas Fox

Ab dem Jahr 2011 versuchte der Sanierungsexperte Thomas Fox, das Unternehmen mit dem Konzept 'Direkt' neu auszurichten und die Marke Max Bahr als Premium-Alternative zu stärken. Diese Strategie erforderte jedoch hohe Investitionen, die das Unternehmen aufgrund einer Schuldenlast von mehreren hundert Millionen Euro nicht mehr stemmen konnte. Trotz eines Kapitalschnitts und Verhandlungen mit Kreditgebern wie der Commerzbank blieb die Liquidität die Achillesferse des Konzerns aus Kirkel.

Der offizielle Zusammenbruch im Juli 2013

Am 11. Juli 2013 stellte die Praktiker AG beim Amtsgericht Saarbrücken den Insolvenzantrag, nachdem die Verhandlungen über weitere Kredite endgültig gescheitert waren. Wenige Wochen später musste auch die vermeintlich gesunde Tochtergesellschaft Max Bahr Insolvenz anmelden, da Warenkreditversicherer ihre Deckung zurückzogen. Der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter Christopher Seagon musste feststellen, dass ein Gesamtverkauf der Gruppe aufgrund der desolaten Kostenstruktur unmöglich war.

Zerschlagung und die Folgen für 20.000 Beschäftigte

Die Liquidation bedeutete das Aus für rund 20.000 Mitarbeiter und die Schließung von über 300 Standorten allein in Deutschland. Statt eines Investors für die Marke Praktiker übernahmen Wettbewerber wie Bauhaus, Obi und Toom lediglich die Rosinen aus dem Filialnetz. Markante Standorte wie in Hamburg-Stellingen oder Berlin wurden umgeflaggt, während der Name Praktiker vollständig aus dem stationären Einzelhandel verschwand und lediglich als Internetdomain weiterlebt.