Größte Pleiten · Nr. 42

Prokon

Windenergie-Vertreiber mit fragwürdigem Genussrechtsmodell; ca. 75.000 Anleger betroffen — später als Genossenschaft weitergeführt.

Vom Windpionier zum Genussrechts-Debakel

Die 1995 von Carsten Rodbertus in Itzehoe gegründete Prokon Regenerative Energien GmbH entwickelte sich über fast zwei Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Akteure der deutschen Energiewende. Das Unternehmen finanzierte seinen rasanten Ausbau vor allem über Genussrechte, die den Anlegern hohe Renditen von bis zu acht Prozent suggerierten, während das Kapital jedoch rechtlich nachrangig behandelt wurde. In der Spitze vertrauten rund 75.000 Privatanleger der Firma eine Gesamtsumme von etwa 1,4 Milliarden Euro an, ohne die damit verbundenen unternehmerischen Totalverlustrisiken vollends zu durchschauen.

Liquiditätsengpässe und der Zusammenbruch 2014

Der wirtschaftliche Niedergang zeichnete sich ab, als die Erträge der über 50 firmeneigenen Windparks sowie die Gewinne aus der Holzverarbeitung in Torgau nicht mehr ausreichten, um die versprochenen Zinszahlungen und Rückforderungen zu bedienen. Im Januar 2014 musste Prokon schließlich beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz anmelden, da die massiven Kündigungswellen der Anleger eine Liquiditätslücke rissen, die nicht mehr zu schließen war. Der als Insolvenzverwalter bestellte Dietmar Penzlin übernahm die Aufgabe, das komplexe Geflecht aus Projektgesellschaften zu entflechten und das verbliebene Vermögen für die Gläubiger zu sichern.

Konflikt um die Zukunft und Genossenschaftslösung

Nach der Insolvenzanmeldung entfachte ein erbitterter Streit über den Fortbestand des Unternehmens, wobei insbesondere der Einstieg externer Investoren wie dem Energiekonzern EnBW zur Debatte stand. Die Mehrheit der Gläubiger entschied sich jedoch auf einer historischen Versammlung im Sommer 2015 gegen einen Verkauf und für die Umwandlung in eine Genossenschaft. Dieser Schritt ermöglichte es, die Windkraftanlagen als Kernsubstanz zu erhalten, zwang die Anleger jedoch dazu, einen Großteil ihrer ursprünglichen Forderungen in Genossenschaftsanteile umzuwandeln und erhebliche Verluste hinzunehmen.

Transformation und Erhalt der Standorte

Mit dem Start der Prokon Regenerative Energien eG im August 2015 gelang die Rettung von etwa 230 Arbeitsplätzen am Hauptstandort Itzehoe sowie in den Regionalbüros. Während randständige Geschäftsbereiche wie das Engagement in der Biokraftstoffproduktion veräußert oder beendet wurden, konzentriert sich die Genossenschaft heute auf den Betrieb von Windparks in Deutschland und Polen. Trotz des weitreichenden Kapitalschnitts für die Altanleger gilt der Fall heute als beispielloses Beispiel für eine erfolgreiche Sanierung durch die Betroffenen selbst, ohne dass eine Zerschlagung durch Großinvestoren erfolgte.