Der weltgrößte Pellet-Hersteller mit Sitz in Wismar meldete Insolvenz — Tausende Kleinanleger verloren ihr Geld, das über hochverzinste Mittelstandsanleihen eingesammelt worden war. Symbol für die Risiken des KMU-Anleihe-Booms.
Vom Aushängeschild der Energiewende zur Milliardenpleite
Die German Pellets GmbH unter der Führung von Peter Leibold stieg innerhalb weniger Jahre zum globalen Marktführer auf, scheiterte jedoch an einer massiven Überschuldung durch expandierende Auslandsprojekte. Im Februar 2016 musste das Unternehmen mit Sitz in Wismar beim Amtsgericht Schwerin Insolvenz anmelden, da die Rückzahlung einer fälligen Anleihe nicht mehr gewährleistet werden konnte. Dieser Zusammenbruch markierte einen der größten Skandale am Markt für Mittelstandsanleihen, indem er den Totalverlust für rund 17.000 Privatanleger einleitete.
Chronologie des Niedergangs unter Peter Leibold
Nachdem bereits im Jahr 2015 erste Gerüchte über Liquiditätsengpässe kursierten, spitzte sich die Lage Anfang 2016 dramatisch zu. Trotz kurzfristiger Versuche, Anleihebedingungen zu ändern und Laufzeiten zu verlängern, fehlte Kapital in dreistelliger Millionenhöhe zur Bedienung der Gläubiger. Die Staatsanwaltschaft Rostock leitete Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung und Betrugsverdachts ein, während die Geschäftsführung bis zum Schluss versuchte, die finanzielle Schieflage kleinzureden.
Zerschlagung und Verkauf der Filetstücke
Insolvenzverwalter Bettina Schmudde und später Stefan Ludwig leiteten einen umfassenden Bieterprozess ein, um die Produktionsstandorte in Deutschland und den USA zu retten. Das Kernwerk in Wismar wurde schließlich von der US-Investmentgesellschaft Metropolitan Fiber Optics Network (MFON) beziehungsweise der J. Rettenmaier & Söhne Gruppe übernommen, womit zumindest Teile der lokalen Infrastruktur erhalten blieben. Die Investitionen in den USA, insbesondere das Großprojekt in Woodville, Texas, erwiesen sich als massive Fehlplanungen, die den Konzern in den Abgrund rissen.
Betroffene Standorte und Verlust der Arbeitsplätze
Von der Insolvenz waren ursprünglich über 600 Arbeitsplätze direkt betroffen, wobei Standorte wie Wismar, Ettenheim, Herbrechtingen und Torgau im Fokus der Sanierungsbemühungen standen. Während einige deutsche Werke unter neuer Führung weitergeführt werden konnten, verloren hunderte Mitarbeiter durch die Standortschließungen und Kapazitätsanpassungen ihre Anstellung. Die Komplexität des Firmengeflechts mit zahlreichen Tochtergesellschaften erschwerte die Abwicklung und die Zuordnung der verbliebenen Vermögenswerte erheblich.
Das bittere Ende für die Anleihegläubiger
Für die Kleinanleger, die insgesamt über 200 Millionen Euro in die Holzpellets investiert hatten, blieb am Ende fast nichts übrig. Die Insolvenzquote lag im einstelligen Prozentbereich, da die vorrangigen Bankkredite und die hohen Verfahrenskosten die Masse schmälerten. Heute steht der Name German Pellets als mahnendes Beispiel für das mangelnde Risikobewusstsein bei hochverzinsten KMU-Anleihen ohne ausreichende Besicherung.