Streng genommen keine Pleite — aber der beinahe-Kollaps der Schaeffler-Gruppe durch die überteuerte Continental-Übernahme genau zum Ausbruch der Finanzkrise 2008 kostete Milliarden und führte zum Einstieg der Familie Schaeffler in die Öffentlichkeit.
Der riskante Milliarden-Poker in Herzogenaurach
Im Sommer 2008 wagte das Wälzlager-Familienunternehmen Schaeffler eine Attacke, die die deutsche Industriegeschichte erschütterte: Die Übernahme des fast dreimal größeren Reifenherstellers Continental aus Hannover. Durch geschickte Swap-Geschäfte mit Banken wie Merrill Lynch sicherte sich Maria-Elisabeth Schaeffler Zugriff auf rund 36 Prozent der Conti-Aktien, ohne die gesetzliche Meldeschwelle vorab zu überschreiten. Diese aggressive Strategie traf jedoch unmittelbar auf den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, was die globalen Kreditmärkte über Nacht einfrieren ließ.
Schuldenberg und Finanzkollaps durch Zinslasten
Die geplante Übernahme verwandelte sich in ein finanzielles Desaster, da Schaeffler für das Aktienpaket einen Preis von 75 Euro pro Aktie garantieren musste, während der Börsenkurs während der Krise unter 20 Euro stürzte. Ein Bankenkonsortium stellte einen Übernahmekredit von rund 22 Milliarden Euro bereit, dessen Zinslast das Unternehmen aus Mittelfranken fast in die Knie zwang. Im Jahr 2009 stand die Gruppe vor einer existenzbedrohenden Liquiditätslücke, da die Dividendenzahlungen von Continental ausblieben und die eigenen Cashflows zur Kredittilgung nicht ausreichten.
Vom Geheimbund zum Bittsteller in Berlin
Die zuvor extrem zurückhaltende Familie Schaeffler und ihr Berater Klaus Rosenfeld mussten unter dem öffentlichen Druck die Bücher öffnen, um staatliche Bürgschaften zu beantragen. Während Demonstrationen in Standorten wie Höchstadt an der Aisch und Herzogenaurach für den Erhalt der rund 200.000 Arbeitsplätze beider Konzerne warben, verhandelte das Management intensiv mit den Gläubigerbanken über einen Restrukturierungsplan. Am Ende gelang die Rettung ohne direkte Staatsmilliarden, jedoch unter strengen Auflagen der Banken und durch eine massive Umschuldung der Verbindlichkeiten.
Integration statt Zerschlagung nach dem Fast-Kollaps
Entgegen der Befürchtungen einer Zerschlagung blieb die Schaeffler-Gruppe als Ankeraktionär bei Continental bestehen und wandelte sich in den Folgejahren selbst in eine Aktiengesellschaft um. Die Schuldenlast wurde durch Börsengänge und Anleiheemissionen schrittweise abgetragen, während die operative Zusammenarbeit in Bereichen wie der E-Mobilität intensiviert wurde. Das Debakel endete schließlich in einer strategischen Partnerschaft, die Schaeffler heute zu einem der weltweit größten integrierten Automobilzulieferer macht.