Größte Pleiten · Nr. 20

Schlecker (2012)

25.000 Beschäftigte, 5.500 Filialen — und ein Patriarch, der zu lange am autoritären Führungsstil festhielt. Die Insolvenz Anton Schleckers wurde zum politischen Reizthema. Schlecker selbst wurde später wegen Bankrott und Untreue verurteilt.

Vom Metzgerladen zum europäischen Drogerie-Imperium

Die Geschichte von Schlecker begann 1975 in Ehingen an der Donau, als Anton Schlecker seinen ersten Drogeriemarkt eröffnete. In den folgenden Jahrzehnten baute er ein engmaschiges Netz aus oft kleinen, puristisch eingerichteten Filialen auf, das bis 2008 auf über 14.000 Standorte in ganz Europa anwuchs. Das Unternehmen agierte dabei zeitlebens als eingetragener Kaufmann (e. K.), was Anton Schlecker die vollkommene Kontrolle, aber auch die unbeschränkte private Haftung über sein Handelsreich sicherte.

Strategische Fehlentscheidungen und veraltete Ladenkonzepte

Während die Konkurrenten dm und Rossmann auf moderne Erlebniswelten und Eigenmarken setzten, verharrte Schlecker in engen, oft unstrukturierten Ladenlokalen ohne moderne Warenwirtschaftssysteme. Der massive Imageverlust durch Berichte über die Überwachung von Mitarbeitern und schlechte Arbeitsbedingungen in den frühen 2010er Jahren beschleunigte den massiven Umsatzrückgang. Trotz der späten Modernisierungskampagne 'Fit for Future' und einem neuen Logo konnte das Vertrauen der Kunden und Lieferanten nicht rechtzeitig zurückgewonnen werden.

Der dramatische Kollaps im Januar 2012

Am 23. Januar 2012 stellte die Anton Schlecker e. K. beim Amtsgericht Ulm den Insolvenzantrag, woraufhin Arndt Geiwitz als Insolvenzverwalter bestellt wurde. Die Verhandlungen über eine Transfergesellschaft für die etwa 25.000 betroffenen 'Schlecker-Frauen' scheiterten im März 2012 am Widerstand der FDP-geführten Wirtschaftsministerien in den Bundesländern Bayern, Sachsen und Niedersachsen. Im Juni 2012 wurde schließlich das endgültige Aus verkündet, da sich kein Investor für das gesamte Filialnetz fand und die Warenvorräte zur Deckung der Kosten abverkauft werden mussten.

Zerschlagung und juristische Aufarbeitung für die Familie

Die profitablen Tochtergesellschaften wie die Parfümeriekette Ihr Platz sowie die Märkte im Ausland wurden einzeln veräußert, wobei die österreichische Tochtergesellschaft als 'Dayli' kurzzeitig weitergeführt wurde. In einem medienwirksamen Prozess vor dem Landgericht Stuttgart wurde Anton Schlecker im Jahr 2017 wegen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, während seine Kinder Lars und Meike Haftstrafen wegen Untreue und Insolvenzverschleppung antreten mussten. Den Gläubigern blieb am Ende nur ein Bruchteil ihrer Forderungen, während Tausende ehemalige Angestellte in die Arbeitslosigkeit rutschten.